Das individuelle Schwitzen eines Menschen hängt von einer schier unendlichen Anzahl von Faktoren ab, die nicht nur in wechselseitiger Beziehung stehen, sondern sich auch jederzeit verändern können (→ Ursachen des Schwitzens). Aus diesem Grund ist es nicht möglich Pauschalaussagen über die Wirksamkeit eines Antitranspirantproduktes zu treffen!

Eine Angabe zum Wirkungsgrad ist aus Konsumentensicht besonders dann nicht ernstzunehmen, wenn der Konsument selbst an krankhaftem Schwitzen, der sogenannten Hyperhidrose, leidet. In Hinblick auf die Deutsche Medikamentenverordnung sind solche Angaben ohnehin nicht zulässig, da topikale Antiperspirante keine Medikamente mit Heilwirkung sind. Sie zählen zur "funktionellen Kosmetik" (engl. functional cosmetics), die rezeptfrei verkauft werden darf (engl. sowie in der pharmazeutischen Fachsprache bezeichnet man diese Gattung auch als "OTC"-Produkte (Over The Counter)). Im Zusammenhang mit der Hyperhidrose sind Wirk- oder Heilversprechen deshalb tabu, auch wenn dies einige Hersteller leider recht unverblümt ignorieren.

Kundenmeinungen kritisch lesen

Wer sich für ein bestimmtes Antitranspirant interessiert sollte vorher immer einen Blick auf Kundenmeinungen bzw. Kundenbewertungen werfen! Diese können durchaus eine realistische Einschätzung von Wirkung und Verträglichkeit ermöglichen.

Vorsicht bei Bewertungen, die zu 100 % positiv sind oder Meinungen, bei denen sich die Menschen vor Begeisterung regelrecht überschlagen ("Dieses Mittel hat mein Leben gerettet!"). Skeptisch sollte man auch werden, wenn der Produktname im Bewertungstext x-mal erwähnt wird, dies macht kein "echter" Kunde. Erzählungen, bei denen Betroffene mit Hyperhidrose angeblich "alles probiert" haben, doch nur das explizite Produkt "spontane Heilung" brachte ("Ich habe alles probiert, aber dank [...] bin ich staubtrocken unter den Achseln!") gehören leider ins Reich der Märchen, auch wenn sie noch so hoffnungsvoll klingen. Unsere Empfehlung: Achten Sie besonders auf Bewertungen, die auch kritische Äußerungen enthalten. Das Vorhandensein dieser ist ein guter Hinweis darauf, dass die Kundenmeinungen authentisch sind. Lesen Sie bitte zusätzlich unseren kritischen Beitrag zu Kundenmeinungen.

Wirksamkeit klinisch getestet?

Ob Faltencreme, Schuppenshampoo, Zahncreme oder Deodorant: oft werben die Hersteller damit, die Wirkung eines Kosmetikprodukts sei "klinisch getestet". Doch fragt sich der aufgeklärte Verbraucher, wo und wie dies geschieht. In welcher Klinik wurde das Produkt geprüft und unter welchen Bedingungen? Glaubt man den Werbebotschaften, so betreibt mancher Kosmetikkonzern eine eigene "Clinique" (franz.), in der für das Wohl der Verbraucher getestet und geprüft wird, natürlich unter Aufsicht von Frauen/Männern mit Brille und weißem Kittel. Beliebt sind auch Begriffe wie "Laboratories" (franz.) oder "Institut", um dem Thema einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben. Versucht man nähere Informationen zu den "klinischen Tests" zu bekommen, sind die Aussagen leider vage. Darüberhinaus sollte man bedenken, dass diese Versuche zumeist im eigenen Haus, unter der Aufsicht eigener "Experten" erfolgt. Nicht unbedingt ein Indiz für neutrale Produktbeurteilungen.

Unsere Empfehlung: Seriöse und verbraucherschutzfreundliche Unternehmen lassen Wirksamkeitstest oder -studien nur von externen Fachleuten prüfen. Diesbezüglich sollte man auch wissen, dass Hautkosmetika (dazu zählen u.a. Antitranspirante) in der Regel durch einen Epikutantest auf ihre Hautverträglichkeit (Allergietest) geprüft werden. Neben der Wirksamkeit sollte das Allergiepotential eines Produktes immer berücksichtigt werden.

Wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit

Eine der wenigen wissenschaftlichen Studien zur Wirkungsweise von Antitranspirante wurde an der Hautklinik der Städtischen Kliniken Dortmund durchgeführt [1]. Diese Studie ist weltweit anerkannt und gilt als erster Nachweis der Wirksamkeit von Aluminiumchlorid-Präparaten.

Bis dato lag das Problem einer solchen Studie immer in der objektiv-exakten Bestimmung der austretenden Schweißmenge, um die Reduzierung durch Antitranspirante nachweisen zu können. Professor Dr. Hagen Tronnier entwickelte ein Verfahren, welches auch minimalste Änderungen der Schweißmengen unter gleichbleibenden Bedingungen messbar machte. Damit war die Transpirationshemmung erstmals bestimmbar. Während der anschließend durchgeführten Untersuchungen wurden verschiedene Aluminiumverbindungen auf der Haut von Testanten getestet, die an die komplizierten Messaparaturen angeschlossen waren. Anschließend wurde untersucht, welche äußeren Einflüsse die Wirkung inwiefern beeinträchtigen. Es würde zu weit führen, die sehr umfangreichen Studienergebnisse hier einzeln aufzuführen. Deshalb fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse nur kurz zusammen.

Ergebnisse der Tronnier-Studie:

➀ Antitranspirante reduzieren nachweislich das Schwitzen

➁ Die Transpirationshemmung betrug ø 64 %

➂ Die Anzahl der aktiven ekkrinen Schweißdrüsen nahm um ø 70 % ab

➃ Bei starkem Schwitzen wirken Antitranspirante besser

➄ Waschen nach der Anwendung reduziert die Wirkung deutlich und

➅ anschließendes Abrubbeln mit einem Handtuch hebt die Wirkung nahezu auf

➆ Antitranspirante wirken am besten auf absolut trockener Haut

➇ Antitranspirante wirken am besten auf entfetteter Haut

 

 

Achtung: Bitte lesen!

In Internetbeiträgen wird leider oft behauptet, die Wirkung von Antitranspirantien würde durch Tierversuche geprüft und ermittelt. Dies ist falsch!

Es werden keine derartigen Versuche an Tieren durchgeführt. Ein solcher Test wäre allein schon deshalb völlig sinnlos, da Tiere über keine ekkrinen Schweißdrüsen verfügen, an denen ein Antitranspirant ja bekanntlich seine Wirkung entfaltet. Überhaupt schwitzen nur die wenigsten Säugetiere und dazu noch nach einem ganz anderen Schema als Menschen. Aus diesem Grund kann die Wirksamkeit nicht an Tieren getestet werden.



[1] Tronnier H et al "Experimentelle Untersuchungen zur Wirkungsweise aluminiumhaltiger Antiperspiranzien"
Vortrag anl. VII. IFSCC-Kongress, Hamburg 09/11-15 1972; publ. J. Soc. Cosmetic Chemists 24, 281-290 (1973)

Im Zuge fortschreitender Amerikanisierung häuft sich leider der Trend zu konkreten Wirkversprechen in der Werbung, welche zum Teil bereits mit dem Produktnamen abgegeben werden. Produkte mit reißerischen Namen wie "247-Dry" oder "4-Ever-Dri" (beides fiktive Namen, Anm. d. Autors) suggerieren dem Verbraucher, dass eine lang anhaltende schweißhemmende Wirkung garantiert ist. Eine solche Garantie gibt es jedoch nicht.

Dem Verbraucher sollte schon vor dem Kauf eines Antitranspirants folgendes klar sein: Das Schwitzen eines jeden Menschen folgt sehr unterschiedlichen Prinzipien. Jeder Mensch verfügt über eine individuelle Anzahl an Schweißdrüsen, die für sich genommen höchst unterschiedlich aktiv sind. Die vegetative Steuerung des Schwitzens ist stark abhängig von physischen wie psychischen Faktoren. Auch Dinge wie persönliche Fitness, Umwelteinflüsse, Klima, Kleidung bis hin zur Ernährung spielen eine große Rolle. Vor diesem Hintergrund sollte klar sein, dass ein Antitranspirant bei jedem Menschen anders wirkt – bei manchen mehr, bei manchen weniger. In Einzelfällen kann ein Antitranspirant mitunter gar keine Wirkung zeigen.

Kommentar und Beurteilung

Bei keinem uns bekannten Antitranspirant dürfte eine allgemeingültige Aussage über die genaue Dauer der Wirkung abgegeben werden! [1] Suggestive Produktnamen und Werbeslogans, welche den Erfolg des Produktes versprechen, sind dem hilfesuchenden Verbraucher gegenüber unfair und teilweise sogar ein Fall für den Verbraucherschutz. Wir sind der Meinung, dass es nicht auf die Marke oder einen wohlklingenden Namen ankommt. Vielmehr sollten Verbraucher einen genaueren Blick auf die Inhaltsstoffe, insbesonders auf die Dosierung der Wirkstoffe werfen, denn letztlich sind sie es, die gegen das Schwitzen wirken.

 

 

[1] Wie bei vielen Kosmetikprodukten (z.B. Faltencremes) sollten werbliche Aussagen wie z.B. "klinisch getestet" generell kritisch hinterfragt werden. In den meisten Fällen bezieht sich die Angabe "dermatologisch getestet" nicht auf die Wirkung, sondern nur auf die Hautverträglichkeit! Bedenken Sie bei "Wirksamkeitsstudien", dass diese meist vom Hersteller beauftragt wurden. Informieren Sie sich über den Testaufbau und die Anzahl der Testanten. Oft zeigt sich bei näherer Betrachtung: Eine wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit kann durch einen solchen Testaufbau nicht erreicht werden.

Antitranspirant: Wirkungsweise

Posted by Sascha Ballweg

Viele Anwender fragen sich, wie es denn möglich sein kann, dass schon wenige Tropfen bereits nach Tagen der Anwendung eines Antitranspirants das Schwitzen deutlich reduzieren.

Die Funktionsweise eines solchen Schweißhemmers wird oft sehr laienhaft und salopp erklärt, "Schweißporen" würden "verstopft" oder manchmal gar "verätzt" (was nicht zutrifft).

Antitranspirante der 3. Generation

Posted by Sascha Ballweg

Die 3. Generation von Antitranspiranten ermöglicht mit ihrer hochdosierten Wirkstoffrezeptur von ca. 20 % bis 30 % Aluminiumchlorid eine maximale Reduzierung des Schwitzen bei gleichzeitiger Minimierung der gefürchteten Hautreizungen. Dies ist durch die Zugabe von hautpflegenden Substanzen, vorwiegend durch naturelle Pflanzenextrakte möglich.

Die Pflanzenextrakte, beispielweise Salbei, Bartflechte, Nelkenblüte oder Aloe Vera wirken auf natürliche Weise schmerzlindernd und regenerierend. Darüberhinaus können sie den durch die stärkere Aluminiumchlorid-Dosis niedrigen pH-Wert der Antitranspirantlösung etwas ausgleichen, so dass diese weniger sauer ist. Auch dadurch werden Hautreizungen abgeschwächt.

Antitranspirante der 2. Generation

Posted by Sascha Ballweg

Antitranspirante der 2. Generation gibt es in etwa seit den 1970er Jahren. Man kann sie zu recht als "Klassiker" bezeichnen. Sie haben sich über Jahrzehnte hinweg als effektive Mittel gegen Schweiß etabliert. Mit ihrer Aluminiumchlorid-Dosierung von ca. 12 % bis 20 % helfen sie erfolgreich, starkes Schwitzen auf ein angenehmes Maß zu reduzieren.

In Deutschland sind seit Jahrzehnten vor allem Marken wie Yerka® und Hydrofugal® sowie Antihydral®, eine Salbe auf Basis von Zinkoxid (statt Aluminiumchlorid), bekannt. Im englischsprachigen Raum sind es dagegen eher Namen wie CertainDri®, Driclor Solution® oder Odaban® welche die Geschichte des Antitranspirants prägten. Im Prinzip jedoch sind fast alle bekannten Marken weltweit erhältlich, dies jedoch in mengenmässig sehr unterschiedlicher Verbreitung. Generell ist der Grad der Verbreitung jedoch kein Indiz für die Wirksamkeit eines Produkts sondern vielmehr Ausdruck der regional unterschiedlich ausgeprägten und intensivierten Werbestrategien und der individuellen Akzeptanz derer.

Zu den klassischen Antitranspiranten gehören auch Mischungen, die auf Kundenwunsch in Apotheken angerührt werden.

Obwohl die Wirkung der genannten Mittel durch tausende positiver Rückmeldungen bestätigt ist, und der große Erfolg der Marken eigentlich für sich spricht, gibt es ein letztes Problem, das bei Antitranspiranten der 2. Generation leider immer wieder in den Berichten der Anwender auftaucht: Die typischen Hautreizungen durch Aluminiumchlorid. In nicht wenigen Fällen musste die Anwendung trotz überragender schweißhemmender Wirkung abgebrochen werden, da die Hautreizungen durch das Mittel schier unerträglich wurden.

Erst in den letzten Jahren wurde dieses Problem seitens der Hersteller ernstgenommen. Da jedoch hautpflegende, die Reizungen lindernde Zusätze den Produktpreis steigern würden, blieben leider die meisten Rezepturen (besonders die der industriellen Großproduktion) unangetastet.

Der Verbraucher hingegen sollte sich fragen, ob er bereit wäre, für ein "sanftes" Antitranspirant etwas mehr Geld auszugeben oder ob er die Hautreizungen zu Gunsten eines Billigpreises in Kauf nehmen will.

Antitranspirante der 1. Generation

Posted by Sascha Ballweg

Die erste Generation von Antitranspirantien wurde in etwa zwischen 1888 und 1977 hergestellt und verkauft. Diese Produkte basierten zum größten Teil auf dem inzwischen kaum noch erhältlichen Wirkstoff Aluminumzirconium.

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Im Jahre 1888 wurde unter dem Namen "Mum" in den USA das Patent für das erste Antitranspirant offiziell eingetragen. Schnell folgten unzählige andere Mittel und Marken, besonders in abgewandelter stofflicher Form. 1960 führte Gilette® mit Right Guard® das erste "Antitranspirant-Spray" ein. Nach der negativen Bewertung von Aluminiumzirconium und dem Verbot bzgl. der Verwendung in Antitranspirantsprays im Jahre 1977 durch die FDA (US Food and Drug Administration, vergleichbar mit dem Deutschen BfR) und das spätere Verbot des damals gängigen Treibmittels FCKW (Fluorkohlenwasserstoff) durch die EPA (US Environmental Protection Agency, vergleichbar mit dem Deutschen UBA) verschwanden die Antitranspirant-Sprays größtenteils vom Weltmarkt.

klassisches-antitranspirant


Fazit: Noch immer sind diese "klassischen" Antitranspirante erhältlich – wenn auch selten. Die negative Bewertung des Wirkstoffes Aluminiumzirconium durch das FDA hat sich keinesfalls auf den gesamten Weltmarkt ausgewirkt. Außerhalb der USA werden deshalb bis heute derartige Produkte hergestellt und exportiert. In flüssigen oder cremeartigen Antitranspirantien (z.B. in Deosticks) darf Aluminiumzirconium weiterhin eingesetzt werden. Unter den Inhaltsstoffen taucht es gemäß der INCI-Liste meist als aluminium zirconium tetrachlorohydrex gly (AZG) auf.

Echte Antitranspirante, d.h. jene mit mehr als 15% bis 20% Wirkstoffanteil, sind meist nur in Fachgeschäften (Parfümerie, Reformhaus) oder in Apotheken erhältlich. Hier kann sich der Verbraucher von Fachleuten beraten lassen, da Hauttyp und Schweißform (z.B. Ort des Schwitzens) bei stärker dosierten Mitteln berücksichtigt werden sollten.

Das größte Angebot an Antitranspiranten jedoch findet sich im Internet. Auf Grund der "Grenzenlosigkeit" des Internet und vereinfachter Auslandsüberweisungen (IBAN/BIC oder Paypal), ist es heutzutage kein Problem mehr, auch auf ausländische Erzeugnisse zurückzugreifen. Dadurch ergibt sich eine derart breite Angebotspalette, die den Suchenden schier überfordern kann.

Unterschiedliche Begriffe für ein und dasselbe Produkt (vergl. dt. Antitranspirant, engl. antiperspirant), verwirrende Inhaltsstoffe (vergl. dt. Aluminiumhexahydrat, engl. aluminium chlorohydrat) oder unklare Angaben zur Dosierung stiften weitere Verwirrung. Das Internet mit seinen Foren und Communities bombardiert den Interessenten außerdem mit einer Fülle von mehr oder weniger authentischen Kundenberichten oder Produktbewertungen. Überschwenglichen Lobeshymnen ("Dieses Produkt ist der Wahnsinn!") sollte immer mit einem gesunden Maß an Skepsis begegnet werden. In entsprechenden Forenthemen (Threads) reiht sich auch oft eine Produktempfehlung an die nächste. Doch nur wenige der im Internet veröffentlichten Kundenmeinungen sind wirklich "echt", so die Meinung vieler Internetexperten. Es gibt allerdings auch entsprechend zertifizierte Systeme, die solche Bewertungen nur nach Prüfung publizieren (z.B. ekomi.de).

Fragwürdig und sicherlich mit Vorsicht zu genießen sind die lebhaften Internet-Diskussionen über Wirksamkeit oder Verträglichkeit von Antitranspiranten (vorausgesetzt, die Foreneinträge sind überhaupt authentisch). Unabhängig davon, ob ein Produkt kritisiert oder gelobt wird: Der Verbraucher sollte immer bedenken, dass das Schwitzen des menschlichen Körpers ein höchst individuell ausgeprägter Vorgang ist, der außerdem von unzähligen äußeren Faktoren bestimmt wird. Im Endeffekt hilft dem Schweißgeplagten nur eines: Ausprobieren!

Und dafür bieten einige Anbieter von Antitranspiranten kostenlose Produktproben an. Selbst die Investion von 20 Euro für ein Premiumprodukt (z.B. AHC forte mit 30 % Wirkstoffanteil) lohnt immer, wenn man den möglichen Gewinn an Lebensqualität oder die Kosten für alternative Therapien in Relation setzt. Preis-/Leistungsrelevant ist ebenfalls der Faktor Ergiebigkeit, denn nicht selten sorgen bereits 30ml für ein ganzes Jahr schweißfreie Achseln.

Unsere Meinung: Da Antitranspirante höchst individuell wirken und ebenso unterschiedlich vertragen werden, sollte sich der Interessent nicht zu sehr an Werbung und fragwürdigen Meinungen unbekannter Personen orientieren. Ebenso sollten Preis und Markenname nicht entscheidend sein. Gerade im Bereich der Körperpflege sind die etwas teureren Produkte kleiner Hersteller (z.B. aus inhabergeführten Kleinunternehmen) oft die bessere Wahl. Vor dem Kauf sollte immer eine sachliche, objektive Prüfung des Wirkstoffanteils ("Ich schwitze sehr stark! Können mir 10% AlCl überhaupt helfen?") und der Inhaltsstoffe erfolgen (siehe unten). Danach empfiehlt es sich, zunächst das gewünschte Produkt kostenlos zu testen. Leider bieten nur wenige Hersteller die Möglichkeit einer kostenlosen und unverbindlichen Produktprobe an (z.B. www.antitranspirant-proben.de).

Linktipps:

  • www.wiki-products.org _ Das objektive und kollaborative Projekt informiert in tabellarischer Form über gängige Antitranspirante. Zu beachten sind besonders die Angaben zu Dosierung, Anwendungsgebiet und Darreichungsform.

  • www.codecheck.info _ Das kollaborative Projekt, eine Schweizerisch-Deutsche Kooperation, informiert kostenlos über die Inhaltsstoffe von Produkten. Sämtliche Produktinhalte können dort anhand der EAN/GTIN-Codes ("Barcodes"), welche weltweit zwingend auf allen Verpackungen abgedruckt sind, ausgelesen werden. Die einzelnen Stoffe werden mit einem Farbsystem versehen, gemäß ihrer Beurteilung durch ÖKO-TEST und diverse Laboratorien (z.B. Lebensmitteltechniker), bewertet. Die meisten hier am Markt erhältlichen Antitranspirante und Deodorants sind dort bereits eingepflegt.

Unterschiede erkennen und bewerten

Posted by Sascha Ballweg

Wer als Verbraucher sein Schwitzen mit einem Antitranspirant reduzieren will, steht einem schier unendlichen Angebot von schweißhemmenden Produkten gegenüber.

Allein der Supermarkt bieten Regalereihen voll von Sprays, Sticks, Roller oder Cremes, meist "einfache" Deodorants, die sich aufgrund eines minimalen Wirkstoffanteils (z.B. Aluminiumchlorid, AlCl) ebenfalls als Antitranspirante ausgeben. Dem schließen sich Alternativprodukte wie z.B. Deo-Kristalle (aus Alaun) oder "Silberdeos" (mit Nano-Silber) an.

Weiterführende Informationen und Themen:

  • 3000 bis 600 v. Chr. _ China

    Im alten China wird Alaunschiefer (Kaliumaluminiumsulfat) wegen seiner antiseptischen, blutstillenden und adstringierenden Wirkung für medizinisch-hygienische Zwecke eingesetzt.

  • 3000 bis 400 v. Chr. _ Ägypten

    In Ägypten wird Tschermigit (Ammonmalaun) als Flammschutzmittel für Holz und zur Trocknung dessen verwendet. So bleibt Alaun als stark adstringierende Substanz über Jahrhunderte in Erinnerung. Eine Verwendung im Bereich der Körperhygiene ist nicht überliefert. Im alten Ägypten wird jedoch schon seit jeher eine ritualisierte Badetradition und die Verwendung ätherischer Öle für das körperliche Wohlbefinden gepflegt.

    60 n. Chr. _ Römisches Reich

    Plinius der Ältere berichtet in seinem berühmten Buch Naturalis Historia (dt. "Naturgeschichte") über den Einsatz von Alaun als Antitranspirant: "er [der Alaun] entfernt den Gestank unter den Achseln sowie auch den Schweiß."

  • 900 n. Chr. _ Arabisches Reich · Emirat von Córdoba

    In al-Andalus, dem damalig arabischen Spanien, "erfindet" Ziryab (Abul-Hasan Alí ibn Nafi) das Deodorant als "Hygieneartikel". In Córdoba richtet Ziryab sozusagen den ersten bekannten "Beauty Salon" ein, wo er (den Damen) auch eine Art "Deodorant" verabreichen lässt, das im Gegensatz zu den vorher bekannten (vermutlich Alaunschiefer) keine Rückstände hinterlässt. Anmerkung: Ziryab hat die europäische Welt in kultureller Hinsicht sehr geprängt. Dem Meister der Kunst feinsten Lebensgenusses und Trendsetter in Mode- und Essensfragen verdankt auch die heutige westliche Gesellschaft viele ihrer guten Sitten.
  • 14. bis 16. Jahrhundert _ Italien
    Die Produktion sowie Vertrieb, Import und Export von Alaun sind zu dieser Zeit durch den Vatikan monopolisiert. Das Mineral ist wichtig für die Tuchherstellung und dementsprechend wertvoll. Die Florentiner Familie der Medici besitzt das alleinige Vergütungsrecht. Sie betreiben zusammen mit der Kirche das erste europäische Alaunwerk in Tolfa (Italien). Gegen 1510 bricht das päpstliche Monopol zusammen, als sich die Herstellung von "unchristlichem Alaun" durch "Verhüttung" von einfachem Schwarzschiefer durchsetzt. In Folge werden überall freie Alaunwerke gegründet. Im Jahre 1578 wird das päpstliche Alaun-Monopol durch den zum Protestantismus übergetretenen Bankier Horatio Palavicino endgültig hinfällig, als er den gesamten Vorrat, als auch die Exportrechte an die Niederlande verkauft.

  • 1580 _ Frankreich

    Der florentinische Alchimist und Apotheker Tombarelli eröffnet in diesem Jahr im französischen Grasse ein Laboratorium zur Gewinnung von Parfüm. Dies ist der Beginn der europäischen Parfümtradition und Grundstein der bis heute bekannten industriellen Massenproduktion von Duftstoffen.

  • 16. bis 19. Jahrhundert _ Europa

    Die Körperhygiene der Antike (z.B. die römische Badekultur), wie wir sie auch heute kennen, ist in der Zeit der großen europäischen Königshäuser verpönt und unerwünscht, da man fälschlicherweise annimmt, Wasser und Luft würden dem Körper durch Übertragung von Keimen schaden. Das Parfüm übernimmt die Funktion des Waschens (Desinfektion und Deodoration) während Puder die Haut vor Luftkontakt schützen soll.

  • 1833 _ Preußen (heute Polen)

    Im damals preußischen Breslau (heute Wrocław, Polen) entdeckt der Physiologe und Pathologe Jan Evangelista Purkyně 1833 die Schweißdrüsen.

  • 19. Jahrhundert _ Europa

    Mit Entdeckung diverser Krankheitserreger und dem Fortschreiten der Industralisierung beginnt sich die programmatische Hygiene, auch in den unteren Gesellschaftsklassen, durchzusetzen. Seife wird industriell hergestellt. Als einer der ersten, in größeren Stückzahlen produzierten "Schweißhemmer" fungiert Salmiakgeist oder Ammoniaktinktur (Ammoniumhydroxid).

  • 1825 _ Dänemark

    Dem Kopenhagener Wissenschaftler Hans Christian Ørsted gelingt es 1825 zum ersten Mal durch chemische Reaktion von Aluminiumchlorid und Kaliumamalgam reines Aluminium herzustellen. Aluminiumchlorid ist bis heute der wirksame Hauptbestandteil nahezu aller Antitranspirante. Das Metall Aluminium war theoretisch schon seit 1808 durch Sir Humphry Davy bekannt, dem es jedoch nie gelang es herzustellen.

  • 1888 _ USA

    In Philadelphia lässt ein heute leider unbekannter Erfinder das erste Trademark-Antiperspirant unter dem Namen "Mum" patentieren. Dabei handelt es sich um eine wachsartige Creme auf Basis von Zinkoxid. Ab 1941 wird das Produkt in großen Stückzahlen durch die Firma Bristol Myers unter dem Namen "Ban" vertrieben.

  • 1941 _ USA

    Mit dem US-Patent No. 2.230.084 vom 28. Januar 1941 lässt Dr. Jules Bernard Montenier in Chicago das erste Rezept für ein "modernes" Antitranspirant (auf Basis von AlCl) schützen. Die zuvor bereits erhältlichen Mittel mit reinem Aluminiumchlorid verbesserte er dahingehend, dass er lösliche Nitrile hinzufügte, um die typischen Hautreizungen zu mindern. Das von ihm vertriebene "Stopette Antiperspirant" war im Amerika der 1950er Jahre das mit weitem Abstand bekannteste Produkt dieser Art.

  • 1948 _ USA

    Ende der 1940er Jahre beginnt Helen Barnett Diserens, eine junge Chemikerin und Absolventin der University of Michigan ihre Forschungsarbeit bei der New Yorker Kosmetikfirma Bristol Myers (siehe auch oben). Inspiriert durch den gerade erst patentierten Kugelschreiber ("Ball-Pen"), entwickelt sie eine neue Applikationform für Antitranspirante und Deodorants: den Deo-Roller.

  • 1960 _ USA

    Mit "Right Guard"® führt der Konzern Gillette 1960 das erste Deodorant-Spray ein. Bis Mitte der 1970er Jahre gehören derartige Sprays zur beliebtesten Darreichungsform weltweit.

  • 1977 _ USA

    Im Jahre 1977 erlässt die FDA (US Food and Drug Administration) ein Verbot für aerosolförmige Antitranspirante (Sprays) mit Aluminiumzirkonium, da dieser Wirkstoff bei Inhalation als toxisch gilt. Feste Deo-Sticks und Deo-Roller beginnen sich nach diesem Verbot wieder durchzusetzen.

  • 1985 _ USA

    Angesichts des wachsenden Ozon-Lochs über der Arktis beschließt die EPA (US Enviromental Protection Agency) den Treibstoff FCKW (Fluorkohlenwasserstoff), welcher als Treibmittel in allen Deodorantsprays fungiert, zu verbieten. Durch das folgende weltweite Verbot verschwinden die meisten Deo-Sprays zunächst vom Markt (später wurde das FCKW durch Butan oder andere Gase ersetzt).

 

Hinweis: Im englischsprachigen Raum werden Deodorants regelmäßig als Antiperspirants, also als Antitranspirante [1] bezeichnet, sofern sie Aluminiumchlorid enthalten. Dies ist meistens der Fall. Die FDA deklariert deshalb Antiperspirants als drugs. Deodorants ohne schweißhemmende Wirkung, d.h. ohne AlCl gelten hingegen als cosmetics. Aus Verbrauchersicht ist dies wichtig, da drugs einer besonderen und regelmäßigen Prüfungspflicht durch die FDA unterliegen. Da sehr viele der in Europa erhältlichen Kosmetikprodukte aus den USA importiert, bzw. auf Lizenz hier produziert werden, profitiert auch der europäische Verbraucher von der strengen Überwachung durch die FDA. Nur in seltenen Einzelfällen wird eine Rezeptur für den hiesigen Markt abgeändert.

Im deutschprachigen Raum unterscheidet man eher grundlegend zwischen Produkten, die (vorwiegend) den Geruch regulieren sollen (Deodorants) und welchen, die (nur) den Schweiß reduzieren (Antitranspirant). Die Unterscheidung findet also mehr in Hinblick auf die Aufgabe, als auf die Inhalte statt. Obwohl viele Deodorants auch Aluminiumchlorid enthalten, werden trotzdem nur Mittel mit höheren AlCl-Dosierungen (10% oder mehr, meist ohne Parfümstoffe) als Antitranspirant bezeichnet. Eine exakte Klassifizierung analog zur US-amerikanischen FDA existiert in Europa nicht.

[1] Sowohl der Begriff Antitranspirant als auch die Ursprungswörter Transpiration und transpirieren bedeuten im Englischen etwas völlig anderes (Begriffe der Botanik). Das Schwitzen (Nomen/Tätigkeit) bezeichnet man ausschließlich als perspiration, bei weniger gehobener Wortwahl auch als sweat(ing).

Die menschliche Körperpflege, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Schwitzen und Gerüchen, hat eine wechselhafte Geschichte. Bereits in der Römerzeit und Osmanenzeit war – anders als in Mittel- und Westeuropa – die Kultur der Körperpflege, etwa in ausgedehnten Badeanlagen hoch entwickelt. Obwohl mit Erfindung der Seife im 7. Jahrhundert das Abwaschen der Haut mit fettlösenden Hilfsmitteln möglich wurde, vertraten in Europa bis weit in das 18. Jahrhundert hinein selbst Ärzte die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schade. Kleidung diente für lange Zeit als Schutz vor diesen „schädlichen“ Elementen. Auch das Einpudern erfüllte den Zweck, den Körper nach außen hin abzuschließen, während das Baden und Waschen verpönt war.

Diese Einstellung änderte sich erst mit der Entwicklung der programmatischen Hygiene im bürgerlichen 19. Jahrhundert, als Krankheitserreger vermehrt durch die Wissenschaft nachgewiesen und deren Vermeidung durch Waschen erkannt wurden. Die industrielle Revolution legte später den Grundstein für die massenhafte Herstellung der Seife und anderer Hygieneprodukte.

Im Jahre 1888 schließlich wurde unter dem Namen "Mum" in den USA das erste Patent für ein Antiperspirant eingetragen. Schnell folgten unzählige andere Mittel und Marken, besonders in abgewandelter stofflicher Form, da die wachsartige "Mum-Creme" sehr klebrig und recht schwierig aufzutragen war. Innerhalb von 15 Jahren entstand so ein großer Markt für Antitranspirant-Tropfen, -Puder, -Roll-Ons und -Seifen.

Aufgrund der einfachen Handhabung setzten sich schon bald aerosolförmige Deodorants durch, versetzt mit Parfumstoffen und deutlich reduziertem Wirkstoffanteil, welche im eigentlichen Sinne die Bezeichnung Antitranspirant jedoch kaum noch verdienten.

1960 führte Gilette® mit Right Guard® das erste "Antitranspirant-Spray" ein. 1967 waren 50 % der in den USA verkauften Antitranspirant-Sprays, 1970 bereits 82 %. Doch schon Ende der 1970er Jahre fand dieser Boom ein jähes Ende: 1977 erließ die US Food and Drug Administration (FDA, vergleichbar mit dem deutschen BfR) ein striktes Verbot von Aluminumzirconium auf Grund von Gesundheitsrisiken durch Inhalation. Kurz darauf wurde der Einsatz des damals gängigen Treibmittels FCKW (Fluorkohlenwasserstoff) durch die US Environmental Protection Agency (EPA, vergleichbar mit dem Deutschen UBA) stark eingeschränkt bzw. untersagt. In Folge dieser Verbote verschwanden die Antitranspirant-Spray größtenteils vom Weltmarkt. Mitte der 1980er Jahre betrug der Anteil dieser Sprays im Verkauf nur noch 30 %.

Als FCKW-freie Alternative entwickelte die Kosmetikindustrie bald sogenannte Deo-Sticks, Antitranspirante in Roll-On-Flaschen ("Deoroller") sowie Sprays mit Butan als Treibmittel oder mechanische Pumpsprays. Erst langsam konnten sich seit etwa 1990 Antitranspirante in liquider Form durchsetzen. Diese werden heute auch in Tropfflaschen vertrieben, mit denen eine Feindosierung deutlich besser möglich ist.

Schon lange sind Aluminiumverbindungen (Aluminiumchlorid, früher vermehrt auch Aluminumzirconium) als wirksames Mittel gegen die Schweißentwicklung bekannt. → Deo-Kristalle (Alaun bzw. Kaliumaluminiumsulfat) wurden im mediterranen Raum bereits in der Antike gegen Körpergeruch eingesetzt.

✍ Lesen Sie bitte auch unsere → Zeitschiene zur Historie von Antitranspiranten.