Geschichtliches zu Antitranspiranten

Sascha Ballweg

Die menschliche Körperpflege, insbesondere im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Schwitzen und Gerüchen, hat eine wechselhafte Geschichte. Bereits in der Römerzeit und Osmanenzeit war – anders als in Mittel- und Westeuropa – die Kultur der Körperpflege, etwa in ausgedehnten Badeanlagen hoch entwickelt. Obwohl mit Erfindung der Seife im 7. Jahrhundert das Abwaschen der Haut mit fettlösenden Hilfsmitteln möglich wurde, vertraten in Europa bis weit in das 18. Jahrhundert hinein selbst Ärzte die Meinung, dass Wasser und Luft dem Körper schade. Kleidung diente für lange Zeit als Schutz vor diesen „schädlichen“ Elementen. Auch das Einpudern erfüllte den Zweck, den Körper nach außen hin abzuschließen, während das Baden und Waschen verpönt war.

Diese Einstellung änderte sich erst mit der Entwicklung der programmatischen Hygiene im bürgerlichen 19. Jahrhundert, als Krankheitserreger vermehrt durch die Wissenschaft nachgewiesen und deren Vermeidung durch Waschen erkannt wurden. Die industrielle Revolution legte später den Grundstein für die massenhafte Herstellung der Seife und anderer Hygieneprodukte.

Im Jahre 1888 schließlich wurde unter dem Namen "Mum" in den USA das erste Patent für ein Antiperspirant eingetragen. Schnell folgten unzählige andere Mittel und Marken, besonders in abgewandelter stofflicher Form, da die wachsartige "Mum-Creme" sehr klebrig und recht schwierig aufzutragen war. Innerhalb von 15 Jahren entstand so ein großer Markt für Antitranspirant-Tropfen, -Puder, -Roll-Ons und -Seifen.

Aufgrund der einfachen Handhabung setzten sich schon bald aerosolförmige Deodorants durch, versetzt mit Parfumstoffen und deutlich reduziertem Wirkstoffanteil, welche im eigentlichen Sinne die Bezeichnung Antitranspirant jedoch kaum noch verdienten.

1960 führte Gilette® mit Right Guard® das erste "Antitranspirant-Spray" ein. 1967 waren 50 % der in den USA verkauften Antitranspirant-Sprays, 1970 bereits 82 %. Doch schon Ende der 1970er Jahre fand dieser Boom ein jähes Ende: 1977 erließ die US Food and Drug Administration (FDA, vergleichbar mit dem deutschen BfR) ein striktes Verbot von Aluminumzirconium auf Grund von Gesundheitsrisiken durch Inhalation. Kurz darauf wurde der Einsatz des damals gängigen Treibmittels FCKW (Fluorkohlenwasserstoff) durch die US Environmental Protection Agency (EPA, vergleichbar mit dem Deutschen UBA) stark eingeschränkt bzw. untersagt. In Folge dieser Verbote verschwanden die Antitranspirant-Spray größtenteils vom Weltmarkt. Mitte der 1980er Jahre betrug der Anteil dieser Sprays im Verkauf nur noch 30 %.

Als FCKW-freie Alternative entwickelte die Kosmetikindustrie bald sogenannte Deo-Sticks, Antitranspirante in Roll-On-Flaschen ("Deoroller") sowie Sprays mit Butan als Treibmittel oder mechanische Pumpsprays. Erst langsam konnten sich seit etwa 1990 Antitranspirante in liquider Form durchsetzen. Diese werden heute auch in Tropfflaschen vertrieben, mit denen eine Feindosierung deutlich besser möglich ist.

Schon lange sind Aluminiumverbindungen (Aluminiumchlorid, früher vermehrt auch Aluminumzirconium) als wirksames Mittel gegen die Schweißentwicklung bekannt. → Deo-Kristalle (Alaun bzw. Kaliumaluminiumsulfat) wurden im mediterranen Raum bereits in der Antike gegen Körpergeruch eingesetzt.

✍ Lesen Sie bitte auch unsere → Zeitschiene zur Historie von Antitranspiranten.

 


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