Schwitzen durch falsche Ernährung

Posted by Sascha Ballweg

Bestimmte Ernährungsformen, einseitige und mangelhafte Ernährung können das Schwitzen begünstigen. Grundsätzlich wird Hyperhidrotikern eine gesunde, ausgewogene Ernährung empfohlen, reich an Gemüse, nicht zu sauer und salzarm. Entgegen der landläufigen Meinung ist Übergewicht (Adipositas) kein direkter Auslöser für Schweißprobleme, es kann aber die Lebensituation so einschränken, dass es Schwitzen sekundär begünstigt. Auch auf die Wahl der Getränke ist zu achten, Koffein, Alkohol, saure Getränke und übermäßig viel Kohlensäure sollten vermieden werden.

 

wenn der körper vor schweiss zu zerfliessen scheint

Würziges, fettes und scharfes Essen kann zu Schweißausbrüchen führen. Eine gesunde und ausgewogene Diät kann helfen, Schweißattacken dauerhaft zu verhindern. Ernähren Sie sich gesund!

Schärfe löst Schwitzen aus
Scharfe Gewürze und ätherische Öle in bestimmten Kräutern oder Pflanzen können Schweißausbrüche provozieren. Besonders das in Paprika- und Chilischoten enthaltene Capsaicin (CPS), ein farbloses wasserunlösliches Alkaloid, ist für seine schweißtreibende Schärfe bekannt. CPS reizt die Nervenenden bestimmter Rezeptoren, die normalerweise Schmerzreize bei Einwirkung von Hitze erkennen. Sowohl auf der Zunge (und der Mundschleimhaut) als auch auf der Haut registrieren diese Rezeptoren (sog. TRP-Kanäle) eine schmerzhafte (jedoch nur scheinbare!) Erhitzung, welcher der Organismus durch vermehrte Durchblutung des Gewebes zum Zweck der Wärmeabfuhr entgegenwirkt. Dadurch kommt es zu einer reflexartig gesteigerten Schweißproduktion und einer lokalen Rötung wie bei einer leichten Verbrennung [1].

Durch regelmäßigen Konsum scharfer Speisen kann eine gewisse Toleranzbildung gegenüber CPS, nicht nur hinsichtlich der sensorischen Sensibilität, entstehen und damit verbunden eine persönliche Bereitschaft, auch „alltägliche“ Speisen überdurchschnittlich scharf zu würzen. Doch obwohl der charakteristische "Schärfeschmerz" dann mehr und mehr ausbleibt, erfolgt weiterhin die gefäßerweiternde und kühlende Reaktion des Körpers. Das heißt in der Praxis: wer regelmäßig scharf isst, wird auch regelmäßig stark schwitzen. Ein Blick auf die Bewohner tropischer und heißer Länder beweist dies: deren überwiegend scharfe Küche soll das Schwitzen anregen, um so den Kühlungsprozess in Gang zu halten [2].

Salz – zu viel oder zu wenig?
Salz (Natriumchlorid) hat heutzutage einen schlechten Ruf. Nicht zu unrecht, denn viele Lebensmittelprodukte (z.B. Wurst, Fertiggerichte u.v.a.m.) enthalten schon "ab Werk" sehr viel davon. Der regelmäßige Verzehr dieser Produkte ist in den Industrieländern der Erde nachweislich für den Anstieg von Bluthochdruckerkrankungen und den damit verbundenen Folgen wie Schlaganfälle, Herzinfakte und Nierenschädigungen verantwortlich. Dennoch ist das im Salz enthaltene Natrium eines der vielen Elektrolyte, die zum Leben unbedingt notwendig sind. Der Körper nutzt Natrium auf viele Arten: Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Muskel- und Nervenfunktion und ist verantwortlich für die Erhaltung des Flüssigkeitshaushalts in verschiedenen Teilen des Körpers. Das Nervensystem benötigt Natrium zur effektiven Kommunikation mit und Koordination von vielen Körperteilen. Ohne ausreichende Mengen an Natrium können die elektrischen Signale in den Nervenzellen nicht entstehen bzw. übertragen werden und das Nervensystem funktioniert nicht mehr richtig.

Für "Vielschwitzer" und Hyperhidrotiker bedeutet dies aber auch: Salz regt die Kommunikation zwischen Gehirn und Schweißdrüsen an. Wer sich zu salzreich ernährt stimuliert unnötig sein vegetatives Nervensystem und damit die Aktivität der Schweißdrüsen. Eine salzarme Diät ist also auf jeden Fall erstrebenswert. Leider ist dies leichter gesagt als getan: Da Hyperhidrotiker stärker schwitzen verlieren sie stündlich große Mengen an Elektrolyten, die unbedingt ausgeglichen werden müssen. Nur bei einer wirklich ausgewogenen Ernährung unter Kenntnis der ungefähren Salzgehalte in der Nahrung lässt sich ein wirkliches Gleichgewicht aus Natriumeinnahme und -ausscheidung (durch Schweiß und Urin) herstellen.

✍ Der (derzeitige) Tagesbedarf liegt bei 2,4 Gramm (2.400 mg) Natrium täglich. Laut Gesundheitsexperten soll die tägliche Aufnahme eine Menge von 6 Gramm (6.000 mg) nicht überschreiten.

Von Säuren und Basen ...
Viele Geschichten und Legenden ranken sich um das sog. "Säure-Basen-Gleichgewicht" des Körpers. In der Physiologie ist mit der Homöostase ein Regulierungsmechanismus des Säurebasengleichgewichts gemeint. Die Puffereigenschaften des Blutes und der Gewebe, der Gasaustausch in der Lunge sowie der Ausscheidungsmechanismen der Niere tragen zu diesem ständigen Ausgleich im Körper bei. [3]

Störungen im Säure-Basen-Haushalt des Körpers führen zu Azidose (Übersäuerung) oder Alkalose (Untersäuerung) und können sich bei starken Schwankungen lebensbedrohlich auswirken. Obwohl diese biochemischen Vorgänge im Körper grundsätzlich bekannt sind, ist die Auswirkung einer schwächeren oder mittelfristigen Übersäuerung auf den Organismus bis heute wissenschaftlich kaum erforscht. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass sich überschüssige Säuren als sog. "Schlacken" im Körper einlagern. Dennoch hat sich diese Annahme in der alternativen Medizin bei einer großen Gruppe von Befürwortern etabliert.

Für den Laien ist es leider schwer, ernsthafte Forscher und Alternativmediziner von Scharlatanen zu unterscheiden. Zu groß ist das Angebot an mehr oder minder wirksamen Therapien und Methoden, von denen nur wenige als echte Alternative zur herkömmlichen Medizin bezeichnet werden können. Angesichts der Fülle von Möglichkeiten soll an dieser Stelle gar nicht darüber geurteilt werden, welcher Weg der richtige ist. Vielmehr soll auf eine Tatsache hingewiesen werden, die inzwischen unumstritten ist: saures Essen kann Schwitzen auslösen und fördern. Der Verzehr von sauren Speisen oder Getränken wie beispielsweise herber (trockener) Wein, Senf, Heringssalat, saure Äpfel, Sauerkraut, Essiggurken und auch saure Süßigkeiten löst bei vielen Menschen nachweislich ein "Nachschwitzen" aus. Wieso das so ist, konnte bislang nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt werden.

Zum einen wird vermutet, dass es sich hierbei um gustatorisches Schwitzen handelt. Bei dieser Form des Schwitzen werden die Nervenimpulse der Geschmacksrezeptoren und Speicheldrüsen im Mund vom Gehirn falsch verarbeitet oder fehlgeleitet, wodurch die Schweißdrüsen angeregt werden. Das gustatorische Schwitzen tritt immer dann auf, wenn sehr scharfe, saure, süße, bittere oder anderweitig geschmacklich stark geprägte  Speisen und Getränke konsumiert werden – kurzum: alle "würzigen" Produkte begünstigen Schweißausbrüche. Folglich sollte darauf geachtet werden, dass unsere Nahrung wenig künstliche Geschmacksstoffe oder Geschmacksverstärker (z.B. Glutamate) enthält.

Andere Hypothesen gehen davon aus, dass es nach dem Konsum saurer Produkte zu einer kurzzeitigen Übersäuerung des Körpers kommt und dieser mit starkem Schwitzen reagiert. Tatsächlich kann sich der pH-Wert des Schweißes verändern. Allerdings stehen die gemessenen Säureanteile im Schweißsekret in keinem Verhältnis zur aufgenommenen Menge. Deshalb ist die Annahme, der Körper würde sich durch Schwitzen "entschlacken" oder "entsäuern" nicht korrekt. Wahrscheinlicher ist eine Spontanreaktion des Organismus auf die Übersäuerung. Die Gründe hierfür sind kaum erforscht. Es könnten fehlgeleitete oder falsch interpretierte Nervensignale der Magenschleimhaut sein aber genauso biochemische Vorgänge auf Zellebene.

 

[1] Von dieser scheinbaren Verbrennung leitet sich z.B. das deutsche "Brennen auf der Zunge" etc. ab. Im Englischen bedeutet "hot" gleichsam "heiß" und "scharf".
[2] Ferner dient dort die Schärfe der inneren Desinfektion, da Capsaicin auch eine antibakterielle und fungizide Wirkung hat
[3] Auch über den Schweiß werden Säuren ausgeschieden. Allerdings sind die im ekkrinen Schweißsekret enthaltenen Säuremengen so gering, dass man nicht von "Entgiftung", "Entschlackung" oder "Entsäuerung" sprechen kann!

 

Schwitzen durch falsche Kleidung

Posted by Sascha Ballweg

Falsche Kleidung, oder zuviel davon ist – so banal es klingt – ein sehr häufiger Auslöser für Schweißausbrüche. Synthetische Materialien, eng anliegende Kleidung oder mehrere Textilien übereinander ("Layering") behindern die Wärmeabfuhr und die Luftzirkulation auf der Haut. Der ausgeschiedene Schweiß kann dadurch nicht verdunsten und wird von den Stoffen aufgesogen.

 

wenn der körper vor schweiss zu zerfliessen scheint

"Da muß Luft rein!" Enge oder falsche Kleidung zwingt den Körper dazu unangenehm zu schwitzen.

Nach kurzer Zeit erscheint er als dunkler Fleck ("Schwitzfleck") an den betroffenen Stellen. Getrockneter Schweiß hinterlässt Salzreste im Gewebe, sogenannte "Salzränder". Gefürchtet sind auch "Deoflecken", welche durch chemische Reaktionen von Schweiß (Wasser) und aluminiumhaltigen Deodorants entstehen. Die hierbei entstehenden sauren Verbindungen können gefärbte Stoffe ausbleichen. In weißen Materialien erscheinen sie als gelbliche Flecken.

Was Sie tun können: Richtige Kleidung bei Schwitzen


  • mehrschichtige Kleidung ("Zwiebellook") in dünne Lagen, bei Bedarf abzulegen
  • luftige weite Kleidungsstücke
  • keine synthetischen Materialien
  • nur atmungsaktive Materialien

Ursachen

Posted by Sascha Ballweg

Übermäßiges Schwitzen kann viele verschiedene Ursachen haben. Deshalb ist es immer wichtig, neben einer Behandlung der Symptome (z.B. Reduzierung des Schwitzens durch Antitranspirante) auch die Ursachen zu erforschen.

Bei leichteren Schweißproblemen kann dies ggf. experimentell in Eigenregie erfolgen (z.B. Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, Verzicht auch Alkohol, Nikotin, Koffein), bei krankhaftem Schwitzen jedoch ist eine ärztlich begleitete Ursachenforschung unerlässlich. Viele mögliche Ursachen sind bereits unter dem Punkt → "Krankhaftes Schwitzen" genannt worden. Deshalb sollen an dieser Stelle nur die häufigen und typischen Ursachen für starkes Schwitzen näher betrachtet werden.

Spezielle Formen der Hyperhidrose

Posted by Sascha Ballweg

Es gibt in der Praxis 4 Sonderformen der Hyperhidrose, die separat erwähnt werden sollen. Diese Arten des übermäßigen Schwitzens haben gemeinsam, dass sie nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt bzw. zu einem bestimmten Anlass auftreten.

Gustatorisches Schwitzen

Dieses abnorm ausgeprägte Schwitzen im Gesichts-Hals-Bereich tritt nur während des Verzehrs jeglicher Speisen auf und wird unmittelbar durch gustatorische Reize (d.h. Geschmacksreize) wie z.B. Schmecken, Lutschen, Kauen, Beißen, ausgelöst. Durch den deutlich begrenzten Hautbezirk zählt diese auch als Frey-Syndrom oder Aurikulotemporales Syndrom bezeichnete Form zu den fokalen Hyperhidrosen. Die Symptome zeigen sich in der Regel nach einer Entzündung (z.B. Parotitis) oder nach teilweiser bzw. kompletter Entfernung der Ohrspeicheldrüse und der Unterkieferspeicheldrüse. Da eine andere Krankheit im Endeffekt Auslöser des Schwitzens ist, handelt es sich in der Regel um eine sekundäre Hyperhidrose. Das Frey-Syndrom kann auch als kompensatorisches Schwitzen (med. Rebound) nach einer Endoskopischen Transthorakalen Sympathektomie (ETS) auftreten.

Übrigens: Die typischen Schweißausbrüche nach dem Genuss von scharfen Speisen zählen nicht zum gustatorischen Schwitzen, da sie keinen ernsthaften physiologischen Ursprung haben. Außerdem treten diese "Schwitzattacken" nicht nur in der Gesichtregion, sondern am gesamten Körper auf.

 

Kompensatorisches Schwitzen (Reflex-Schwitzen)

Als Reflex-Schwitzen bezeichnet der Mediziner ein starkes, großflächiges Schwitzen (vorwiegend am Rumpf auftretend), welches nach einer erfolgreich durchgeführten endoskopischen transthorakalen Sympathektomie (ETS) auftritt. Die ETS-Operation wird als ultima ratio bei extremen Schweißhänden und -füßen eingesetzt. Mittels Durchtrennung der sympathischen Nervenstränge wird das Hand-/Fußschwitzen unmittelbar und zu 100% gestoppt. Wissenschaftler vermuten, dass sich der Körper zwecks Thermoregulation ausgleichend (kompensatorisch) neue Wege sucht, um an anderer Stelle ausreichend schwitzen können. Neueste Untersuchen gehen jedoch auch von einem sympathischen Reflex aus, welcher durch die Nervdurchtrennung ausgelöst wird (Reflex-Schwitzen).

 

Erröten und Schwitzen

Das Erröten (med. Blushing und Flushing) beruht auf einer plötzlichen Ausdehnung von Blutgefäßen und einer damit verbundenen spontanen Zunahme des Blutvolumens in der Haut des Gesichtes und der Halsregion des Menschen. Die rote Farbe des Blutes ist dann durch die obersten Schichten der Haut deutlich zu sehen. Gesteuert wird das Erröten durch den Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystemes). Als Auslöser gelten zwei Gruppen von Emotionen, welche die folgenden zwei verschiedenen Errötungsformen hervorrufen:

  • Blush: ausgelöst durch selbst-bezogene Emotionen wie Verlegenheit, Scham, situationsbezogene Scheu oder Peinlichkeit
  • Flush: ausgelöst durch fremd-bezogene Emotionen wie Ärger, Wut, Zorn und extreme Sinnesreize (z.B. scharfe Gewürze)

Während des Errötens verspürt der Betroffene einen vermeindlichen Anstieg der Hauttemperatur [1], weshalb mit dem Blushing/Flushing oftmals spontane Schweißausbrüche einhergehen. In einigen Fällen sind vorschnelles, krankhaftes Erröten, die sogenannte Erythrophobie [2] und Hyperhidrosis facialis aneinander gekoppelt. Da beide Erscheinungen durch das sympathische Nervensystem gesteuert und durch Angstgefühle verstärkt bzw. ausgelöst werden, ist sowohl ein neurologischer als auch ein psychotherapeutischer Therapieansatz zu empfehlen.

 

Kalter Angstschweiß

In Angst-, Panik-, Erregungs- und Schocksituation sowie in unmittelbarem Zusammenhang mit lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen (z.B. Herzinfakt) erlebt der Mensch eine besondere Form der Perspiration: Den kalten Angstschweiß.

In den genannten Extremsituationen produziert der Körper automatisch das Stresshormon Adrenalin. Diese Reaktion erfolgt, um den Körper "blitzartig" in einen hypersensiblen Zustand der Alarm- und Fluchtbereitschaft zu versetzen. Dies ist ein evolutionär bedingter Vorgang, welcher noch aus den Urzeiten der Menschheit stammt. Das Adrenalin erhöht den Herzschlag und verengt die Blutgefäße der Haut [3] und der inneren Organe, um den Muskeln mehr Sauerstoff und Energie zur Verfügung stellen zu können. Aufgrund der schlechteren Durchblutung ist die Haut in diesem Moment deutlich kühler. Gleichzeitig richtet sich die Feinbehaarung der Haut auf ("Gänsehaut"), ihre Wurzeln sind mit Haarbalgmuskeln verbunden, welche in Angstsituationen automatisch angespannt werden. Durch das Aufrichten kann der Schweiß auf der Haut schneller Verdunsten, was für einen weiteren, spontanen Temperaturabfall führt. Desweiteren kann das Kältegefühl auch mit einem schlagartig sinkenden Blutdruck in Zusammenhang stehen.

Aufgrund des Adrenalinsschubs werden auch die apokrinen Drüsen verstärkt aktiviert, welche einen für Menschen kaum wahrnehmbaren "Angstgeruch" (durch Pheromone) absondern.

Da der Adrenalinausstoß durch das vegetative Nervensystem gesteuert werden, reicht bei sensiblen Menschen oft der bloße Gedanke an "furchteinflößende" Situationen o.ä., um den Angstschweiß auszulösen. In einigen Fällen kann dies zu einer dauerhaften Belastung werden, beispielsweise bei Sozialen Phobien.

 

Nachtschweiß

Das starke nächtliche Schwitzen, beim dem Bettzeug und Pyjama großflächig durchnässt werden und die Haare regelrecht tropfend nass sind, ist eine spezielle Form der sekundären Hyperhidrose. In nahezu allen Fällen ist es ein Alarmzeichen für unerkannte systemische Erkrankungen und direktes Symptom dieser. Banale Ursachen wie zu hohe Umgebungstemperatur bzw. Luftfeuchtigkeit oder Albträume erzeugen eher ein vergleichsweise kurzfristiges Schwitzen. Von der primären Hyperhidrosis, die nachts in der Regel abklingt, unterscheidet sich das Nachtschwitzen deutlich, da es tatsächlich nur nächtlich auftritt.

Profane Ursachen des Nachtschwitzens:


  • zu warme Raumluft im Schlaftzimmer (ideal: 18 bis max. 21°C)
  • zu hohe Luftfeuchtigkeit im Schlaftzimmer (ideal: 50 bis 60 %)
  • zu warme Bettdecke oder synthetische Materialien
  • zu warme Schlafbekleidung oder synthetische Materialien
  • Albträume
  • Schlafen unter Alkoholeinfluss
  • Schlafen mit vollem Magen

Besteht das Schweißproblem mehrere Nächte hintereinander, so ist eine zeitnahe, medizinisch-internistische Untersuchung dringend anzuraten.

 

Mögliche Ursachen für nächtliches Schwitzen:


  • grippaler Infekt
  • Pfeiffer'sches Drüsenfieber (Mononukleose)
  • fortgeschrittene Tuberkulose
  • Malaria
  • allergische/autoimmunologische Erkrankungen
  • AIDS
  • akute Leukämien
  • Lymphome
  • Wegener-Granulomatose
  • Polymyalgia rheumatica
  • Knochenmarksentzündungen(Osteomyelitis)
  • Arthritis
  • Arteriitis temporalis

 

[1] Tatsächlich erhöht sich die Temperatur lediglich um ca. 1°C und das nur für etwa 15 Sekunden.
[2] Die Erythrophobie zählt zu den sozialen Phobien (Angststörungen). Die Angst vor dem Erröten (im Angesicht anderer Menschen) ist hier Auslöser und Verstärker des eigentlichen Problems des Errötens.

[3] Durch die spontanreduzierte Durchblutung der Haut erscheint diese bleich und fahl. Man spricht deshalb in Zusammenhang mit kaltem Angstschweiß auch von Erbleichen.

 

Lokale Hyperhidrose

Posted by Sascha Ballweg

Die lokale bzw. sogenannte fokale Hyperhidrose ist das lokalisierte Schwitzen an einem örtlich begrenzten Bereich des Körpers. Hierbei können auch mehrere Körperstellen gleichzeitig betroffen sein, allerdings muss eine klare regionale Abgrenzung möglich sein. Ist dies nicht der Fall, so spricht man von generalisierter Hyperhidrose.

Typisch ist in den meisten Fällen die symmetrisch-fokale Hyperhidrose, bei der die Betroffenen “spiegelgleich”, also an den gleichen Stellen beider Körperhälften schwitzen (z.B. linke und rechte Achselhöhle). Es gibt jedoch auch Fälle, wo nur einseitiges oder asymmetrisches Schwitzen auftritt.

Betroffene Bereiche bei fokaler Hyperhidrose:

 


  • Achselhöhlen
  • Hände
  • Füße
  • Gesicht (Nase, Oberlippe, Stirn, Nacken)
  • Kopfhaut
  • Körperfalten
  • Intimbereiche (Leistenregion)
  • Brust
  • Rücken
  • Beine (besonders die Schenkelinnenseiten)
  • Unterarme

 

Da bestimmte Körperregionen besonders häufig von krankhaftem Schwitzen betroffen sind, haben Mediziner Fachbegriffe für diese Bereiche festgelegt:

  • schwitzende Hände = palmare Hyperhidrose (Hyperhidrosis palmaris)
  • Schweißfüße = plantare Hyperhidrose (Hyperhidrosis plantaris)
  • starkes Achselschwitzen = axillare Hyperhidrose (Hyperhidrosis axillaris)
  • Schwitzen am Rumpf, Rumpfschwitzen = trunkale Hyperhidrose

     

Generalisierte Hyperhidrose

Posted by Sascha Ballweg

Unter einer generalisierten Hyperhidrose (Hyperhidrosis generalis) versteht die Dermatologie ein krankhaftes Schwitzen, das unspezifisch am gesamten Körper oder an mehr als drei Körperstellen gleichzeitig auftritt.

Prinzipiell ist der Mensch in der Lage, am gesamten Körper – sofern von Haut bedeckt – zu schwitzen, da die Schweißdrüsen (wenn auch ungleichmäßig) von Kopf bis Fuß verteilt sind. Tritt das starke Schwitzen an mehreren verschiedenen Körperregionen gleichzeitig auf, ohne dass eine klare regionale Abgrenzung zu erkennen ist, so spricht man von Hyperhidrosis generalis.

Örtlich deutlich eingeschränktes Schwitzen, beispielweise nur an den Händen bezeichnet man als fokale Hyperhidrose, in diesem Fall als Hyperhidrosis palmaris.

Leider kann eine typische Heimanwendung über Antitranspirante oder anhand eines Iontophoresegeräts nur bei einer fokalen, also abgegrenzten Körperregion angewendet werden und dies auch nur dann, wenn dafür ein entsprechender Applikator vorliegt (z. B. eine Iontophorese-Gesichtsmaske, ein Iontophorese-Nackenkissen). Es gibt kein Iontophorese-Gerät, das sich vollumfänglich gegen eine generalisierte Hyperhidrose einsetzen lässt.

Dies stellt jedoch keinen Grund dar, die Hyperhidrose nicht zu behandeln! Denn auch wenn eine generalisierte Hyperhidrose anhand der Iontophorese nicht vollumfänglich behandelt werden kann, dürfte es für Betroffene doch eine große Erleichterung darstellen, wenn sie ausschließlich die Körperregionen mit der Iontophorese trocken legen, an denen das Schwitzen am auffälligsten oder unangenehmsten ist. Auch eine nur partiell erfolgreiche Schweißreduktion kann eine deutliche Steigerung der Lebensqualität mit sich bringen. Gleichzeitig reduzieren sich Stress und Leidensdrucks was im besten Fall zu weiterer psychische Entlastungen führt.

Sekundäre Hyperhdidrose

Posted by Sascha Ballweg

Von einer sekundären oder symptomatischen Hyperhidrose spricht man, wenn das Schwitzen als Folge einer bekannten oder aber unerkannten Erkrankung auftritt. Das Schwitzen selbst ist also keine eigenständige Krankheit, sondern lediglich Begleitsymptom einer solchen. Typisch für diese Hyperhidroseart sind Schweißausbrüche am ganzen Körper, also nicht lokal begrenzt (siehe lokalisierte Hyperhidrosis). Oft treten diese nachts auf. Vielmehr noch als bei der primären Hyperhidrose, ist bei der sekundären eine ärztliche Ursachenforschung unerlässlich.

Typische Ursachen für eine sekundäre Hyperhidrose sind:


  • Fiebererkrankungen (z.B. Erkältung oder Influenza)
  • Schilddrüsenfehlfunktionen (Hyperthyreose oder Hypothyreose)
  • Diabetes mellitus
  • Hypoglykämie (insbes. niedriger Blutzuckerspiegel und
    infolgedessen Sympathikotone Reaktionen)
  • Herzinsuffizienz, Herzerkrankungen
  • maligne Tumorerkrankungen
  • innere oder chronische Entzündungen (z.B. Parotitis)
  • Parkinson'sche Krankheit (Morbus Parkinson)
  • Übergewicht (Adipositas)
  • Stoffwechselstörungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • neurologische Störungen (Nervschädigungen, Neuropathien)
  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität)
  • Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten

 

Starkes Schwitzen durch Medikamente:

Viele rezeptpflichtige Arzneimittel führen als Nebenwirkung zu Schweißausbrüchen. Dabei spielt ein wichtige Rolle, inwieweit die Wirkstoffe die neurologische bzw. sympathische Steuerung der Schweißdrüsen beeinflusst. Einige Wirkstoffe beeinträchtigen auch die Thermoregulation des Gehirns, so dass Nervenreize der Wärmerezeptoren auf der Haut im Gehirn nicht richtig verarbeitet werden. Wenn gesteigertes Schwitzen die Begleiterscheinung einer medikamentösen Therapie ist, macht es verständlicherweise wenig Sinn, die Schweißproduktion mit weiterern Medikamenten mindern zu wollen. Es empfiehlt sich eine rein topikale Symptombekämpfung mit Antitranspiranten.

Einige Medikamente, die zu verstärktem Schwitzen führen können:


  • Psychopharmaka
  • Antidepressiva (SSRI, SSNRI und trizyklische ADs, z.B. Venlafaxin)
  • Neuroleptika
  • Medikation bei Morbus Chrohn
  • Cholinesterase-Hemmer
  • Opioide (Tramadol®)

 

Primäre Hyperhidrose

Posted by Sascha Ballweg

Der Mediziner spricht von einer primären oder essentiellen Hyperhidrose (HH), wenn diese von Kindheit/Jugend an (bis spätestens zum vollendeten 25. Lebensjahr) auftritt.

Bei dieser angeborenen, das heißt erblich/genetisch bedingten, primären HH ist das Schwitzen selbst die Krankheit und demzufolge kein Symptom einer Krankheit. Neben der krankheits-typischen Anamnese (temperatur- und bewegungsunabhängiges, willentlich nicht kontrollierbares Schwitzen), wird ebenfalls berücksichtigt, wie oft das Schweißproblem pro Woche auftritt und ob man auch nachts schwitzt [1]. Darüber hinaus relevant ist die Frage, ob auch andere Familienmitglieder ähnliche Symptome zeigen/gezeigt haben (positive Familienanamnese).

Wichtig ist, dass keine explizit, physische oder psychische Erkrankung als Ursache für das Schwitzen vorliegt. Dies muss im Rahmen einer allgemeinmedizinische Diagnostik ausgeschlossen werden. Jedoch können grundsätzliche Faktoren, wie nervliche Belastungen allgemeiner Art, sowie hormonelle Umstellungen während der Pubertät oder zur Menopause eine primäre Hyperhidrose begünstigen und begleiten, ohne das sie als eigenständige Krankheiten gesehen werden könnten, welche das übermäßige Schwitzen auslösen (siehe Definition einer sekundären Hyperhidrose).

Die primäre HH kann sowohl generalisiert als auch lokalisiert sein. Generalisiert bedeutet, dass sie am gesamten Körper, ohne deutliche lokale Schwerpunkte auftritt. Lokalisiert gesehen, ist das Schwitzen auf variierende, aber fest umgrenzte Bereiche beschränkt, beispielsweise auf die Füße, die Hände, die Stirn und so weiter. Auch Kombinationen sind häufig. Seltener dagegen sind nur einseitige Bereiche (z.B. linke Körperhälfte) betroffen.

Typische Faktoren, die eine primäre Hyperhidrose auslösen, begünstigen oder begleiten können:


  • psychische Belastungen (Stress, Angst, Scham, starke Emotionen)
  • Klimakterium (hormonelle Umstellung, “Wechseljahre”, Menopause)
  • Pubertät (hormonelle Umstellung)
  • besondere Ernährung (z.B. scharfe Gewürze)
  • einseitige oder falsche Ernährung
  • Mangelerscheinungen
  • hoher Kaffeekonsum (Koffein)
  • hoher Zigarettenkonsum (Nikotin)
  • Alkoholmissbrauch, auch als Entzugserscheinung
  • Drogenkonsum (z.B. Kokain), auch als Entzugserscheinung
[1] Nächtliches Schwitzen ist immer ein typisches Zeichen für eine sekundäre Hyperhidrosis. Da der Körper im Schlaf seine Funktionen einschränkt, würde sich bei einer primären Hyperhidrosis nachts das Schwitzen reduzieren, nicht verstärken. Meistens lösen innerliche Krankheiten den sogenannten Nachtschweiß aus.

 

  • Kode ICD-10-WHO / R61.#     Hyperhidrose
  • Kode ICD-10-WHO / R61.0     Hyperhidrose,  umschrieben
  • Kode ICD-10-WHO / R61.1     Hyperhidrose,  generalisiert
  • Kode ICD-10-WHO / R61.9     Hyperhidrose,  nicht näher umschrieben

Schätzungen zu Folge geht die WHO (World Health Organisation (Weltgesundheitsorganisation)) davon aus, dass ca. 2 bis 3 % der Weltbevölkerung an einer HH leidet, wobei es genetisch bedingt unterschiedliche Verteilungen zwischen Männern und Frauen, sowie im Vergleich verschiedener Völkergruppen gibt.

Definition einer Hyperhidrose

Für die ärztliche Diagnose gelten definierte Grenzwerte für die Entstehung einer bestimmten Schweißmenge (gemessen in mg) innerhalb einer festen Zeitspanne:

≥ 100mg Schweiß in 5 Minuten

Die Quantitätsmessung erfolgt mittels Gravimetrie per Ultrafeinwaage. Der Arzt bestimmt zunächst das exakte Nettogewicht eines saugfähigen Papierbogens (z.B. Löschblatt oder Filterpapier). Danach werden für 5 Minuten Papier und die vom Schweiß betroffene Hautpartie miteinander in Kontakt gebracht (versch. variierende Möglichkeiten). Nach Ablauf der Zeit wird das Gewicht des Papiers, welches inzwischen  den Schweiß aufgesagt hat, erneut gemessen. Die Differenz zwischen Netto- und Bruttogewicht entspricht der produzierten Schweißmenge, welche dann in Milligramm umgerechnet wird. Liegt der Wert über den o.g. 100mg/5 min. so ist die Hyperhidrosis-Diagnose positiv.

Die qualitative Messung des Schwitzens, nämlich die Lokalisierung erfolgt mittels sogenanntem Minor-Test (auch Iod-Stärke-Test) bei dem Körperstellen, die vom übermäßigen Schwitzen betroffen sind, farblich markiert werden. Zuerst wird das schwitzende Hautareal sorgfältig getrocknet und anschließend mit einer Iod-Kaliumiodid-Lösung (Lugolsche Lösung) eingepinselt. Diese wird nach der Trocknung dünn mit einem speziellen Stärkepulver bestäubt. Das Gemisch färbt sich an den Stellen, an denen die verstärkte Schweißproduktion stattfindet blauschwarz. Der Test ist rein qualitativ und kennzeichnet lediglich die schweiß-aktiven Areale.

Krankhaftes Schwitzen: Nicht nur ein physisches Problem

Aus rein medizinischer, physischer Sicht ist Hyperhidrose keine unmittelbar bedrohliche oder schädliche Krankheit, vorausgesetzt der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust wird stets adäquat ausgeglichen. Dennoch würden Betroffene ihr Problem mehrheitlich als massiv beschreiben. In ihren Augen stellt das krankhafte Schwitzen ein extrem belastendes Leiden dar, welches die Lebensqualität einschränkt und in alle Bereiche des persönlichen Lebens "schmerzhaft" eingreift: Freundschaft, Partnerschaft, Liebe, Sexualleben, soziale Kontakte, Schule und Beruf werden von der Hyperhidrose und der damit verbundenen Folgen (z.B. schweissnasse Hände, Schweißflecken, starker Schweißgeruch) negativ beeinflusst.

Schwitzen ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Aus diesem Grund kann exzessives Schwitzen, sichtbar und riechbar für alle Umstehenden, zu einem großen, mentalen Problem werden. Ungeachtet jedweder medizinischen Diagnose und Einschätzung, kann Hyperhidrose eine derart belastende Komponente sein, dass psychische Störungen auf Dauer unvermeidbar sind. Soziale Isolation, Phobien, Angststörungen, Zwangshandlungen, Depressionen und sogar Suizidgedanken sind leider häufig als "Kollateralschäden" einer Hyperhidrose zu beobachten.

 

Hyperhidrose in Worten und Zahlen

  • Hyperhidrotiker schwitzen ca. 3x stärker als normale Menschen
  • ca. 2,8 % der Weltbevölkerung leidet an Hyperhidrose
  • Menschen zwischen 25 und 64 Jahren sind am stärksten betroffen
  • lokal auftretendes Schwitzen beginnt durchschnittlich im Alter von 25 Jahren
  • Schweißhände/-füße sind jedoch schon von Geburt an betroffen
  • die geschlechtliche Verteilung ist insgesamt ausgeglichen
  • mit Beginn der Pubertät verstärkt sich die HH bei allen Betroffenen deutlich
  • ab einem Lebensalter von 50 Jahren lassen die Symptome langsam nach
  • ca. 51 % der Hyperhidrotiker leiden an Achselschweiß
  • ca. 29 % der Hyperhidrotiker leiden an Schweißfüßen
  • ca. 25 % der Hyperhidrotiker leiden an Schweißhänden
  • ca. 20 % der Hyperhidrotiker leiden an Gesichtsschwitzen
  • ca. 30 % der Betroffenen haben/hatten Hyperhidrotiker in der Familie
  • Hyperhidrotiker sind in der Regel körperlich völlig gesund
  • die heute bekannten Therapiemöglichkeiten erreichen eine Effektivität von 90 - 95 %

 

Kommentar und Beurteilung

Leider beschränkt sich der Therapieansatz vieler Ärzte bzw. Dermatologen bei einer Hyperhidrose auf reine Symptombekämpfung. Es wäre im Interesse der Betroffenen wünschenswert, wenn deutlich mehr Wert auf Ursachenforschung gelegt würde. Doch dies ist ein langwieriger Weg, zu dem beide Seiten, Arzt und Patient, bereit sein müssen. Da psychische Faktoren gerade bei der primären Hyperhidrose oft eine "heimliche" Rolle spielen, wäre darüberhinaus eine forcierte, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern und Psychologen zu empfehlen. Ebenfalls kann die alternative Meinung eines Homöopathen neue Erkenntnisse bringen und Perspektiven hinsichtlich der Heilung eröffnen.

 

 

Übersichtsartikel: Hyperhidrose

Posted by Sascha Ballweg

Als Hyperhidrosis oder dt. Hyperhidrose (kurz: HH) bezeichnen Dermatologen starkes, krankhaftes Schwitzen, welches unabhängig von Körper- bzw. Umgebungstemperatur und unabhängig von der körperlichen Betätigung auftritt.

Hyperhidrosis ist eine von der World Health Organisation (WHO) anerkannte Krankheit, die nach einer Vielzahl von Kriterien definiert und ausgewertet wird. Da Ursachen und bestimmende Faktoren sowie das zeitliche und örtliche Auftreten einer Hyperhidrose sehr unterschiedlich sein können, unterscheidet die Medizin zwischen verschiedenen Formen und Arten dieser Krankheit.

 

Formen und Arten der Hyperhidrose