Falsch: Sportler schwitzen weniger

Sascha Ballweg

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Sportler würden weniger als Nichtsportler schwitzen. "Wer sportlich ist, gerät nicht so leicht ins Schwitzen, denn wenn sich der Körper an bestimmte Anstrengungen gewöhnt hat, produziert er weniger Schweiß", so heißt es. Doch ist es wirklich richtig, dass trainierte Menschen weniger schwitzen als untrainierte?

Nein. Dies ist ein weit verbreiteter Irrtum. Genau das Gegenteil ist der Fall: Sportler schwitzen sogar effizienter und schneller.

Der falsche Eindruck mag manchmal dadurch entstehen, weil ein trainierter Sportler sein Leistungslimit kennt und den Körper nicht überfordert. Nur in dieser Hinsicht schwitzt der Sportler nicht so schnell wie ein Nichtsportler, der seinen Körper eher überlastet, da seine Muskulatur untrainiert ist und weniger effektiv arbeiten kann. Würde man in einem direkten Vergleich aber beide physischen Konditionstypen exakt gleich belasten, so würde der Sportler eher mit dem Schwitzen beginnen. [1]

Sportler verfügen über aktivere, d.h. regelrecht "trainierte" Schweißdrüsen, die bei physischen Anstrengungen sehr flexibel eingeschaltet werden können. Es werden mehr ekkrine Drüsen als bei einem Nichtsportler aktiv. So kann ein trainierter Sportler im Wettkampf zwei bis drei Liter Schweiß produzieren, der normale Mensch schafft auch bei höchster Anstrengung nur knapp einen Liter.

 

[1] Hauptsächlicher Grund hierfür ist eine Art "thermoregulatorisches Gedächtnis". Schon bei Beginn der physischen Belastung erinnert das Gehirn sich an den zu erwartenen Temperaturanstieg. Über das sympathische Nervensystem werden die ekkrinen Schweißdrüsen sofort präventiv mit der Schweißproduktion beauftragt. Dieser "Einsatzbefehl" erfolgt bei untrainerten Menschen erst, wenn die Wärmesensoren im Körper den Temperaturanstieg an das Gehirn melden.