Fußgeruch & Hyperhidrosis plantaris

Sascha Ballweg

Die menschlichen Fußsohlen (und Handinnenflächen) sind mit einer sehr hohen Anzahl von ekkrinen Schweißdrüsen besetzt (siehe unten). Da diese Hautbereiche völlig unbehaart sind, finden sich dort keine apokrine Schweißdrüsen.

Funktionsweise

An den Fußsohlen (und Handinnenflächen) befinden sich etwa 500 ekkrine Schweißdrüsen pro Quadratzentimeter. Diese dienen nicht etwa der Thermoregulation, sondern der besseren Haftung der (nackten) Füße auf verschiedenen Untergründen. Wissenschaftler vermuten, dass dies einen evulotionären Ursprung hat: offenbar sollten angefeuchtete Füße (und Hände) in Urzeiten eine schnelle Flucht auf Bäume oder Felsen ermöglichen. Interessant ist auch die neurologische Steuerung des Hand- und Fußschwitzens. Dieses wird nicht vom thermoregulatorischen Zentrum im Gehirn, sondern einem eigenen Zentrum des Zentralnervensystems, über den sympathischen Teil des vegetativen Nervensystems gesteuert. Das Schwitzen der Füße und Hände (palmoplantarer Schweiß) wird über sympathische Nervenfasern vermittelt und tritt während des Schlafes nicht auf.

Auf die Füße bezogen finden sich in der Umgangssprache Begriffe wie "Sportlerfüße", "Stinkefüße", "Käsefüße", "Käsemauken", "Käsequanten" oder " Kasfüße", wobei diese Begriffe nicht allein bei einer Überfunktion der Schweißabsonderung an den Füßen, sondern oft auch schon bei ungepflegten und daher unangenehm riechenden Füßen verwendet werden. [1]

Bei Schweißfüßen ist die Hornschicht der Haut durch das vermehrte Schwitzen ständig durchfeuchtet, zusätzlich behindern luftundurchlässige Schuhe oder Strümpfe die Verdunstung des Schweißes. Durch das permanent feucht-warme Mirkroklima werden Fußpilz, bakterielle Tätigkeit und damit üblen Fußgeruch geradezu begünstigt. Für den typisch käseartigen Geruch ist die Zersetzung des Keratins durch die ortsständige Keimflora verantwortlich. Neben einer vermehrten bakteriellen Besiedelung kommt es häufig auch zu Fußsohlenwarzen (Verrucae plantares, dt. Dornwarzen) und Pilzinfektionen (Tinea pedis, dt.Fußpilz). Diese Folgeerkrankungen verursachen jedoch keine eigenen Gerüche.

Hyperhidrosis plantaris

Bei der plantaren Hyperhidrose (med. Hyperhidrosis planatris oder Hyperhidrosis pedis) ist das Schwitzen an den Füßen derart verstärkt, dass der Mediziner von einer Krankheit ausgeht. Glänzend nasse Füße oder regelrecht abtropfender Schweiß sind dabei keine Seltenheit. Eine Hyperhidrose ist meistens erblich bedingt, kann aber auch äußeres Symptom einer inneren, oft verborgenen, Erkrankung sein. Aus den oben genannten Gründen leiden Hyperhidrotiker besonders unter penetrantem Fußgeruch.

Fun Facts

Objektiv ist oft kaum zu bestimmen, ob ein Mensch "echte" Schweißfüße hat, oder diese nur Folge der Fußbekleidung sind. In den Industrieländern der Welt sind Schuhe und Strümpfe fester Bestandteil der alltäglichen Kleiderordnung. Es ist kaum denkbar, auf Schuhe oder Socken zu verzichten, um barfuß umherzulaufen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Fußgeruch ein typisches Folgeproblem der westlichen Kleiderkultur sind. Völker die sich vorwiegend barfuß bewegen kennen diese Probleme nicht. Hyperhidroseerkrankungen sind allerdings auch bei diesen Bevölkerungsgruppen zu finden!

Der niederländische Wissenschaftler Bart G.J. Knols fand heraus, dass ein bestimmtes Bakterium auf der Haut – das Brevibacterium epidermis – für den typischen käsigen Geruch von Schweißfüßen verantwortlich ist. In Test mit Limburger Käse, dessen strenger Geschmack und Geruch sich während der Reifung durch das eng verwandte Brevibacterium linens entwickeln, hatte der Entomologe der Agricultural University Wageningen (NL) nachgewiesen, wie der käseartige Geruch der menschlichen Füße die Wirtssuche von Moskitos beeinflusst. Auf der Suche nach der chemischen Verbindung, die den Insekten hilft ihre bevorzugten Opfer zu orten und von anderen Lebewesen zu unterscheiden, fand er zufällig heraus, dass die Zersetzung von Fettsäuren (des Schweißes) durch das genannte Bakterium den typischen Geruch von "Käsefüßen" erzeugt. Knols erhielt im Jahre 2006 für diese eigentümliche Entdeckung den IG Nobel Prize für "Improbable Research". [2]

 
[1] Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/schweissfuss
[2] Knols B, "On Human Odour, Malaria Mosquitoes, and Limburger Cheese" The Lancet, vol. 348 , November 9, 1996, p. 1322

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