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Basiswissen Schwitzen

Sascha Ballweg
Publiziert in Schwitzen: Allgemeines
Das Schwitzen (med. Diaphorese oder Transpiration) des Menschens ist ein natürlicher und sogar lebensnotwendiger Vorgang. Schweiß reguliert vor allem die Körpertemperatur. Ohne ihn würde der Organismus schnell dem Hitzetod erliegen. Die permanent und meistens

unbemerkt (med. Perspiratio insensibilis) abgesonderte Körperflüssigkeit kühlt durch Verdunstung die Haut (physikalisch: Verdunstungskälte). Normalerweise bemerken wir den Schweiß erst, wenn er übermäßig stark gebildet wird und deshalb nicht schnell genug verdunstet, beispielsweise bei hohen Außentemperaturen oder körperlicher Anstrengung. Die Schweißperlen sind dann deutlich auf der Haut erkennbar. Oft werden sie von der Kleidung aufgesogen, wo sie als dunkler Schwitzfleck ("Schweißfleck") sichtbar werden.

 

Wenn der Körper regelrecht auseinander zu fließen scheint handelt es sich nicht selten um krankhaftes Schwitzen

Während des Schwitzens, produziert der Körper eine salzige Flüssigkeit, das sogenannte Schweißsekret. Dieses wird von den über 3 Millionen ekkrinen Schweißdrüsen gebildet und durch deren "Schweißporen" auf der Hautoberfläche ausgeschieden. Übrigens: Die zweite Art von Schweißdrüsen, die apokrinen Drüsen, erzeugen kein Schweißsekret sondern eine talgartige Substanz mit individuell typischen Duftstoffen.

Schwitzen in Zahlen und Worten

  • im Ruhezustand und bei gleichbleibend niedriger Temperatur würde der Mensch nur ca. 100 bis 200ml Schweiß pro Tag produzieren
  • unter normalen Umständen (Verrichtung durchschnittlicher Arbeit bei Raumtemperatur 21°C) verliert ein Mensch bis zu 6 Liter Schweiß pro Tag
  • ein unter Belastung stark arbeitender Erwachsener (oder Sportler) kann bis zu 15 Liter pro Tag ausschwitzen
  • phasenweise kann es unter sehr starker Belastung zu extremen Schweißmengen von max. 4 Liter pro Stunde (kg/h) kommen [1]
  • die maximale Verdunstungsenergie kann theoretisch 2.800 Watt (10.000 kJ/h) betragen
  • ein Mensch kann maximal 12% seines Körpergewichtes ausschwitzen
  • ca. 250 ml Schweiß werden pro Tag von den Fußsohlen abgegeben
  • Bettwäsche und Matratze nehmen jedes Jahr ca. 2 Liter Schweiß auf (durch Nachtschweiß), dies erklärt die oft erhöhte Luftfeuchtigkeit in Schlafzimmern
  • Achselschwitzen wird besonders durch die mangelnde Luftzirkulation unter den Armen ausgelöst oder verstärkt
  • Männer geraten schneller ins Schwitzen als Frauen [2]
  • Männer verlieren mehr Schweiß als Frauen [2]
  • trainierte Sportler schwitzen schneller als untrainierte Menschen
  • trainierte Sportler schwitzen stärker als untrainierte Menschen
  • Hyperhidrotiker schwitzen ca. 3x so stark als normale Menschen
  • zuviel produzierter Schweiß (z.B. bei starker Belastung/Hitze) dient nicht der Kühlung des Körpers, er ist wortwörtlich "überflüssig"
  • überflüssiger Schweiß kann nicht verdunsten und tropft ab bzw. wird von der Kleidung aufgesogen, es bilden sich Schweißflecken
  • der Mensch schwitzt beim Schwimmen genauso wie "an Land". Leistungsschwimmer verlieren im Wasser ohne weiteres 1 Liter Schweiß pro Stunde

 

Fun Facts ...

  • Primaten, Pferde, Hornträger und Kamele besitzen besonders viele Schweißdrüsen. Bei Pferden ist dies durch das kurze Fell besonders gut zu beobachten. Nach dem Reiten ist ihr Fell regelrecht nass, an Scheuerstellen (Sattel, Halfter etc.) schäumt es gar und sie müssen trocken geritten werden. Allerdings beginnen diese Tiere weitaus langsamer zu schwitzen als Menschen. Aus diesem Grund müssen Rennpferde, z.B. vor dem Lauf mit dem "Aufgalopp" auf Temperatur gebracht werden, damit sie während des Rennens effektiv schwitzen können und nicht kollabieren. Pferde besitzen allerdings kein ekkrinen Schweißdrüsen, bei ihnen übernehmen die apokrinen Drüsen die Aussonderung des Schweißes.
  • Schweine können nicht "wie die Schweine" schwitzen, sie müssen sich in Schlamm oder ähnlichem suhlen, um den Körper zu kühlen
  • Hunde und Katzen können entgegen anderslautender Behauptungen sehr wohl schwitzen, jedoch nur unter den Pfoten. Die meiste Hitze wird allerdings durch schnelles Hecheln über die Zunge abgegeben
  • die Schweißdrüsen eines Kaninchens befinden sich rund um das Maul. Die maßgebliche Wärmeabgabe erfolgt jedoch über die Löffel (Ohren)
  • auch andere Tiere pumpen gezielt Blut in bestimmte Körperteile, um so Wärme abzugeben. Kühe und Ziegen durchbluten ihre Hufe, Delfine dagegen ihre Rückeflosse. Der Wüstenfuchs benutzt wie das Kaninchen seine große Ohren für die Abkühlung
  • Kängeruhs, Ratten und Mäuse können nicht schwitzen. Sie lecken sich deshalb das Fell, um sich Kühlung zu verschaffen
  • Kamele können bis zu 25% ihres Körpergewichtes ausschwitzen, ohne zu dehydrieren. Möglich macht dies ein gewaltiger Wasservorrat in dem/den Höckern
  • Störche gehen mit Körperausscheidungen gegen Hitze vor: Sie benutzen ihren eigenen weißen Kot. Beim Koten achten sie darauf, dass ihre Beine mit den Ausscheidungen gut abgedeckt werden, dadurch kann die Sonne ihre empfindlichen Beine nicht mehr so aufheizen. Durch die Verdunstung der Ausscheidungen wird gleichzeitig die Temperatur gesenkt
  • weibliche Schnabeltiere (Ornithorhynchus anatinus) besitzen keine Milchdrüsen, deshalb geben sie über ihre umgewandelten Schweißdrüsen Milch ab, welche die Neugeborenen aus dem Fell schlecken. Keine andere Gattung der Tierwelt ist dazu imstande, ohnehin sind Schnabeltiere die seltsamsten Tiere auf diesem Planeten ...
[1] Grundsätzlich sind aus Gründen der Vereinfachung bei Schweißmengen Liter (L) und Milliliter (ml) mit Kilogramm (kg) und Milligramm (mg) gleichzusetzen

[2] Yoshimitsu Inoue et al. 2010, Osaka International University, Japan

 

Weitere Informationen

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