Körpergeruch: Psychische Belastungen

Sascha Ballweg
Psychische Faktoren bestimmen nicht nur, wie stark wir ekkrin Schwitzen (siehe "Ursachen des Schwitzens"), auch die Funktion der apokrinen Schweißdrüsen wird durch die Psyche beeinflusst. Emotionale Elemente wie Liebe, Lust, aber auch Angst, Scham oder Ekel können den Körpergeruch deutlich verstärken. Stress, eine ungesunde Mischung aus Überbelastung, Unzufriedenheit, Zukunfts- und Versagensängsten, spielt ebenso eine große Rolle. Nicht umsonst spricht der Volksmund von "Angstschweiß", den man förmlich riechen kann. Der wechselseitige Einfluss von Psyche und Schweißdrüsenfunktion ist evolutionär bedingt. In Urzeiten geriet der Mensch oft plötzlich in extreme Gefahrensituationen, auf die der Körper blitzartig und automatisch mit dem bis heute erhaltenen Angstreflex reagierte. Innerhalb kürzester Zeit wurde alle Energie mobilisiert, welche für den Kampf oder die Flucht benötigt wurde. Auch heute kann der Angstreflex hilfreich sein, z. B. bei Unfällen. Im Alltag wird er dagegen eher als störend empfunden. Besonders tückisch wirken sich latente Ängste (z. B. Existenzangst) aus, die nur unterschwellig wirken. Häufiges Schwitzen, Körpergeruch, Abgeschlagenheit oder Schwindel sind die typische Folge (z. T. auch Teil des Burn-Out-Syndroms). Depressive Episoden haben oft vergleichbare Folgen und können sich ebenso durch Schweißausbrüche und schlechten Geruch bemerkbar machen. Was der Angstreflex auslöst: In gefährlichen oder aufregenden Situationen wird ein Teil der Körperkontrolle vom Nervensystem übernommen, wobei sich auch die Körperchemie ändert. Steigender Blutzucker, Cortisonausschüttung und Adrenalinschub sind verantwortlich für eine erhöhte Herzfrequenz. Daraus resultiert, dass mehr Blut in die Muskeln gepumpt wird, nicht aber in die Haut. Dies hat zu Folge, dass die Haut blass und kühl wird, auf der Schweißperlen schlechter verdunsten und deutlich sichtbar bleiben. In Folge dieser Körperchemieumstellung werden die Muskeln mit mehr als eigentlich benötigter Energie versorgt. Im Falle der Nichtnutzung wird die überschüssige Energie in Form von Zittern innerhalb der Muskeln wieder abgebaut. Die erhöhte Schweißproduktion und der körperchemische Umschwung verursachen gemeinsam als Folge starken Körpergeruch. Stress vermeiden – Anspannung lösen – ohne Angst leben Angstreflexe sind affektiv und verursachen nur kurzzeitige Veränderungen der körperlichen Verfassung. Bei fortdauernder Stressbelastung dagegen können Schweißproduktion und Körpergeruch zu einer chronischen Belastung werden. In der Bromhidrosis-Therapie kann dies ein wichtiger Schlüssel zum Heilungserfolg sein. Es gilt, direkte oder verborgene psychische Belastungen rechtzeitig zu erkennen und zu bewerten. Dies bietet die Chance, einen Lebenswandel für ein stressfreies, oder zumindestens unbeschwerteres Leben ohne Ängste einzuleiten. Eine psychotherapeutische Betreuung ist in den meisten Fällen zu empfehlen. Aber auch "rezeptfreie" Entspannungsmethoden wie Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation (PMR nach Jacobson) erzielen gute Erfolge.