Psychische Ursachen des Schwitzens

Sascha Ballweg

Da die Funktion der Schweißdrüsen durch das vegetative Nervensystem gesteuert wird, haben psychische Probleme einen beträchtlichen Einfluss auf das Schwitzen – und umgekehrt! Um das gesamte Ausmaß der Wechselwirkung zwischen Psyche und Schwitzen zu verstehen muss man beide Seiten und ihren Einfluss aufeinander betrachten.

1. Psychische Probleme als Ursache des Schwitzens

Unsicherheit, Scham und Angst sind eigentlich relativ normale Dinge, die jeder Mensch aus seinem Leben kennt. In unserer heutigen Gesellschaft jedoch, werden diese Empfindungen leider immer öfter zur Dauerbelastung. Der immense Leistungsdruck und die damit einhergehenden Zukunfts- und Versagensängste lösen negativen Stress aus, der uns Menschen krank und anfällig macht. So kann die Angst vor dem Scheitern zu ständigen Schweißattacken führen. Oft sind die Probleme längst zur chronischen Belastung geworden, so dass man von krankhaftem Schwitzen sprechen muss. Das permanente Schwitzen führt schon bald zu "eigenen" psychischen Problemen. Der Teufelskreis schließt sich.

2. Das Schwitzen als Ursache psychischer Probleme

Der Eindruck, den sichtbares Schwitzen hinterlässt, kann fatal sein. Wer mit dunklen Schweißringen auf dem Hemd im Meeting sitzt, blamiert sich nicht nur in ästhetischer Hinsicht. Außenstehenden signalisieren die Schwitzflecken vielmehr Unsicherheit und Schwäche. Auch stellt sich für andere die Frage, was derjenige wohlmöglich zu verbergen hat, denn nervös schwitzen tut meist der, der Ungutes im Schilde führt. Dies kann einen herben Verlust der Vertrauenswürdigkeit bedeuten. Wer bei der geschäftlichen Verhandlung sein Gegenüber schon mit einem feuchten Händedruck begrüßt hat anschließend schlechte Karten, denn ein geschickter Geschäftsmann weiß diese (vermeindliche) Schwäche auszunutzen. All diese negativen Aspekte, die das Schwitzen im geschäftlichen oder gesellschaftlichen Rahmen mitsichbringt, führen auf Dauer zu psychischen Problemen, allen voran die Angst vor dem Schwitzen. Sozialer Rückzug, Isolation, Minderwertigkeitskomplexe und Depressionen können die Folge sein. Damit ist der Teufelkreis geschlossen.

 

Wie der Teufelskreis "Schwitzen" funktioniert ...

Viele Menschen haben die ganz natürliche Veranlagung etwas stärker zu schwitzen als andere. Nervliche und psychische Belastungen des Alltags (Schule, Beruf, Gesellschaft) können das "normale" Schwitzen jedoch massiv verstärken. Dies kann zu weiteren psychischen Problemen führen, denn Schwitzen gilt als gesellschaftliches Stigma. Viele negative Assoziationen sind damit verbunden. In Folge entsteht die Angst vor der "öffentlichen Blamage", nämlich dem Schwitzen. Diese permanente Angst löst weitere Schweißausbrüche, das sogenannte Antizipations-Schwitzen aus. Dies ergibt einen Teufelkreis, den die Betroffenen ohne Hilfe eines Therapeutens nur selten durchbrechen können.

Bitte lesen Sie zu diesem Thema auch den Artikel → "Steuerung des Schwitzens".

 

wenn der körper vor schweiss zu zerfliessen scheint

Permanentes Schwitzen belastet die Psyche. Psychische Belastung verstärkt das Schwitzen. Ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Die folgenden Impulse können mitunter nur durch eine entsprechende Psychotherapie (z.B. eine Verhaltenstherapie) behandelt werden.

  • Stress und nervliche Belastung
  • Angst vor dem Schwitzen
  • Angststörungen (Phobien)
  • Nervosität, Hyperaktivität, ADS
  • Scham und Erröten
  • Depressionen [1]

Wie stark das Schwitzen durch unsere Psyche gesteuert, und durch negative Faktoren wie Stress verstärkt wird, belegt eine Hamburger Studie [2] zum gleichen Thema, welche unter dem Menüpunkt Schwitzen – Pubertätausführlich behandelt wird.

[1] Bitte beachten Sie, dass einige Psychopharmaka, vorallem Antidepressiva, durch ihre Wirkstoffe starkes Schwitzen als medikamentöse Nebenwirkung hervorrufen können. Bitte lassen Sie sich unbedingt von ihrem Arzt, Psychiater oder Apotheke eingehend beraten.
[2] A. Martin A et al "Effective Prevention of stress-induced sweating and axillary malodor formation in teenagers" International Journal of Cosmetic Science, 01.07.2010 (a study by Beiersdorf AG, Hamburg, Germany)