Schwitzen durch falsche Ernährung

Sascha Ballweg

Bestimmte Ernährungsformen, einseitige und mangelhafte Ernährung können das Schwitzen begünstigen. Grundsätzlich wird Hyperhidrotikern eine gesunde, ausgewogene Ernährung empfohlen, reich an Gemüse, nicht zu sauer und salzarm. Entgegen der landläufigen Meinung ist Übergewicht (Adipositas) kein direkter Auslöser für Schweißprobleme, es kann aber die Lebensituation so einschränken, dass es Schwitzen sekundär begünstigt. Auch auf die Wahl der Getränke ist zu achten, Koffein, Alkohol, saure Getränke und übermäßig viel Kohlensäure sollten vermieden werden.

 

wenn der körper vor schweiss zu zerfliessen scheint

Würziges, fettes und scharfes Essen kann zu Schweißausbrüchen führen. Eine gesunde und ausgewogene Diät kann helfen, Schweißattacken dauerhaft zu verhindern. Ernähren Sie sich gesund!

Schärfe löst Schwitzen aus
Scharfe Gewürze und ätherische Öle in bestimmten Kräutern oder Pflanzen können Schweißausbrüche provozieren. Besonders das in Paprika- und Chilischoten enthaltene Capsaicin (CPS), ein farbloses wasserunlösliches Alkaloid, ist für seine schweißtreibende Schärfe bekannt. CPS reizt die Nervenenden bestimmter Rezeptoren, die normalerweise Schmerzreize bei Einwirkung von Hitze erkennen. Sowohl auf der Zunge (und der Mundschleimhaut) als auch auf der Haut registrieren diese Rezeptoren (sog. TRP-Kanäle) eine schmerzhafte (jedoch nur scheinbare!) Erhitzung, welcher der Organismus durch vermehrte Durchblutung des Gewebes zum Zweck der Wärmeabfuhr entgegenwirkt. Dadurch kommt es zu einer reflexartig gesteigerten Schweißproduktion und einer lokalen Rötung wie bei einer leichten Verbrennung [1].

Durch regelmäßigen Konsum scharfer Speisen kann eine gewisse Toleranzbildung gegenüber CPS, nicht nur hinsichtlich der sensorischen Sensibilität, entstehen und damit verbunden eine persönliche Bereitschaft, auch „alltägliche“ Speisen überdurchschnittlich scharf zu würzen. Doch obwohl der charakteristische "Schärfeschmerz" dann mehr und mehr ausbleibt, erfolgt weiterhin die gefäßerweiternde und kühlende Reaktion des Körpers. Das heißt in der Praxis: wer regelmäßig scharf isst, wird auch regelmäßig stark schwitzen. Ein Blick auf die Bewohner tropischer und heißer Länder beweist dies: deren überwiegend scharfe Küche soll das Schwitzen anregen, um so den Kühlungsprozess in Gang zu halten [2].

Salz – zu viel oder zu wenig?
Salz (Natriumchlorid) hat heutzutage einen schlechten Ruf. Nicht zu unrecht, denn viele Lebensmittelprodukte (z.B. Wurst, Fertiggerichte u.v.a.m.) enthalten schon "ab Werk" sehr viel davon. Der regelmäßige Verzehr dieser Produkte ist in den Industrieländern der Erde nachweislich für den Anstieg von Bluthochdruckerkrankungen und den damit verbundenen Folgen wie Schlaganfälle, Herzinfakte und Nierenschädigungen verantwortlich. Dennoch ist das im Salz enthaltene Natrium eines der vielen Elektrolyte, die zum Leben unbedingt notwendig sind. Der Körper nutzt Natrium auf viele Arten: Es spielt eine Schlüsselrolle bei der Muskel- und Nervenfunktion und ist verantwortlich für die Erhaltung des Flüssigkeitshaushalts in verschiedenen Teilen des Körpers. Das Nervensystem benötigt Natrium zur effektiven Kommunikation mit und Koordination von vielen Körperteilen. Ohne ausreichende Mengen an Natrium können die elektrischen Signale in den Nervenzellen nicht entstehen bzw. übertragen werden und das Nervensystem funktioniert nicht mehr richtig.

Für "Vielschwitzer" und Hyperhidrotiker bedeutet dies aber auch: Salz regt die Kommunikation zwischen Gehirn und Schweißdrüsen an. Wer sich zu salzreich ernährt stimuliert unnötig sein vegetatives Nervensystem und damit die Aktivität der Schweißdrüsen. Eine salzarme Diät ist also auf jeden Fall erstrebenswert. Leider ist dies leichter gesagt als getan: Da Hyperhidrotiker stärker schwitzen verlieren sie stündlich große Mengen an Elektrolyten, die unbedingt ausgeglichen werden müssen. Nur bei einer wirklich ausgewogenen Ernährung unter Kenntnis der ungefähren Salzgehalte in der Nahrung lässt sich ein wirkliches Gleichgewicht aus Natriumeinnahme und -ausscheidung (durch Schweiß und Urin) herstellen.

✍ Der (derzeitige) Tagesbedarf liegt bei 2,4 Gramm (2.400 mg) Natrium täglich. Laut Gesundheitsexperten soll die tägliche Aufnahme eine Menge von 6 Gramm (6.000 mg) nicht überschreiten.

Von Säuren und Basen ...
Viele Geschichten und Legenden ranken sich um das sog. "Säure-Basen-Gleichgewicht" des Körpers. In der Physiologie ist mit der Homöostase ein Regulierungsmechanismus des Säurebasengleichgewichts gemeint. Die Puffereigenschaften des Blutes und der Gewebe, der Gasaustausch in der Lunge sowie der Ausscheidungsmechanismen der Niere tragen zu diesem ständigen Ausgleich im Körper bei. [3]

Störungen im Säure-Basen-Haushalt des Körpers führen zu Azidose (Übersäuerung) oder Alkalose (Untersäuerung) und können sich bei starken Schwankungen lebensbedrohlich auswirken. Obwohl diese biochemischen Vorgänge im Körper grundsätzlich bekannt sind, ist die Auswirkung einer schwächeren oder mittelfristigen Übersäuerung auf den Organismus bis heute wissenschaftlich kaum erforscht. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass sich überschüssige Säuren als sog. "Schlacken" im Körper einlagern. Dennoch hat sich diese Annahme in der alternativen Medizin bei einer großen Gruppe von Befürwortern etabliert.

Für den Laien ist es leider schwer, ernsthafte Forscher und Alternativmediziner von Scharlatanen zu unterscheiden. Zu groß ist das Angebot an mehr oder minder wirksamen Therapien und Methoden, von denen nur wenige als echte Alternative zur herkömmlichen Medizin bezeichnet werden können. Angesichts der Fülle von Möglichkeiten soll an dieser Stelle gar nicht darüber geurteilt werden, welcher Weg der richtige ist. Vielmehr soll auf eine Tatsache hingewiesen werden, die inzwischen unumstritten ist: saures Essen kann Schwitzen auslösen und fördern. Der Verzehr von sauren Speisen oder Getränken wie beispielsweise herber (trockener) Wein, Senf, Heringssalat, saure Äpfel, Sauerkraut, Essiggurken und auch saure Süßigkeiten löst bei vielen Menschen nachweislich ein "Nachschwitzen" aus. Wieso das so ist, konnte bislang nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt werden.

Zum einen wird vermutet, dass es sich hierbei um gustatorisches Schwitzen handelt. Bei dieser Form des Schwitzen werden die Nervenimpulse der Geschmacksrezeptoren und Speicheldrüsen im Mund vom Gehirn falsch verarbeitet oder fehlgeleitet, wodurch die Schweißdrüsen angeregt werden. Das gustatorische Schwitzen tritt immer dann auf, wenn sehr scharfe, saure, süße, bittere oder anderweitig geschmacklich stark geprägte  Speisen und Getränke konsumiert werden – kurzum: alle "würzigen" Produkte begünstigen Schweißausbrüche. Folglich sollte darauf geachtet werden, dass unsere Nahrung wenig künstliche Geschmacksstoffe oder Geschmacksverstärker (z.B. Glutamate) enthält.

Andere Hypothesen gehen davon aus, dass es nach dem Konsum saurer Produkte zu einer kurzzeitigen Übersäuerung des Körpers kommt und dieser mit starkem Schwitzen reagiert. Tatsächlich kann sich der pH-Wert des Schweißes verändern. Allerdings stehen die gemessenen Säureanteile im Schweißsekret in keinem Verhältnis zur aufgenommenen Menge. Deshalb ist die Annahme, der Körper würde sich durch Schwitzen "entschlacken" oder "entsäuern" nicht korrekt. Wahrscheinlicher ist eine Spontanreaktion des Organismus auf die Übersäuerung. Die Gründe hierfür sind kaum erforscht. Es könnten fehlgeleitete oder falsch interpretierte Nervensignale der Magenschleimhaut sein aber genauso biochemische Vorgänge auf Zellebene.

 

[1] Von dieser scheinbaren Verbrennung leitet sich z.B. das deutsche "Brennen auf der Zunge" etc. ab. Im Englischen bedeutet "hot" gleichsam "heiß" und "scharf".
[2] Ferner dient dort die Schärfe der inneren Desinfektion, da Capsaicin auch eine antibakterielle und fungizide Wirkung hat
[3] Auch über den Schweiß werden Säuren ausgeschieden. Allerdings sind die im ekkrinen Schweißsekret enthaltenen Säuremengen so gering, dass man nicht von "Entgiftung", "Entschlackung" oder "Entsäuerung" sprechen kann!