Primäre Hyperhidrose

Sascha Ballweg

Der Mediziner spricht von einer primären oder essentiellen Hyperhidrose (HH), wenn diese von Kindheit/Jugend an (bis spätestens zum vollendeten 25. Lebensjahr) auftritt.

Bei dieser angeborenen, das heißt erblich/genetisch bedingten, primären HH ist das Schwitzen selbst die Krankheit und demzufolge kein Symptom einer Krankheit. Neben der krankheits-typischen Anamnese (temperatur- und bewegungsunabhängiges, willentlich nicht kontrollierbares Schwitzen), wird ebenfalls berücksichtigt, wie oft das Schweißproblem pro Woche auftritt und ob man auch nachts schwitzt [1]. Darüber hinaus relevant ist die Frage, ob auch andere Familienmitglieder ähnliche Symptome zeigen/gezeigt haben (positive Familienanamnese).

Wichtig ist, dass keine explizit, physische oder psychische Erkrankung als Ursache für das Schwitzen vorliegt. Dies muss im Rahmen einer allgemeinmedizinische Diagnostik ausgeschlossen werden. Jedoch können grundsätzliche Faktoren, wie nervliche Belastungen allgemeiner Art, sowie hormonelle Umstellungen während der Pubertät oder zur Menopause eine primäre Hyperhidrose begünstigen und begleiten, ohne das sie als eigenständige Krankheiten gesehen werden könnten, welche das übermäßige Schwitzen auslösen (siehe Definition einer sekundären Hyperhidrose).

Die primäre HH kann sowohl generalisiert als auch lokalisiert sein. Generalisiert bedeutet, dass sie am gesamten Körper, ohne deutliche lokale Schwerpunkte auftritt. Lokalisiert gesehen, ist das Schwitzen auf variierende, aber fest umgrenzte Bereiche beschränkt, beispielsweise auf die Füße, die Hände, die Stirn und so weiter. Auch Kombinationen sind häufig. Seltener dagegen sind nur einseitige Bereiche (z.B. linke Körperhälfte) betroffen.

Typische Faktoren, die eine primäre Hyperhidrose auslösen, begünstigen oder begleiten können:


  • psychische Belastungen (Stress, Angst, Scham, starke Emotionen)
  • Klimakterium (hormonelle Umstellung, “Wechseljahre”, Menopause)
  • Pubertät (hormonelle Umstellung)
  • besondere Ernährung (z.B. scharfe Gewürze)
  • einseitige oder falsche Ernährung
  • Mangelerscheinungen
  • hoher Kaffeekonsum (Koffein)
  • hoher Zigarettenkonsum (Nikotin)
  • Alkoholmissbrauch, auch als Entzugserscheinung
  • Drogenkonsum (z.B. Kokain), auch als Entzugserscheinung
[1] Nächtliches Schwitzen ist immer ein typisches Zeichen für eine sekundäre Hyperhidrosis. Da der Körper im Schlaf seine Funktionen einschränkt, würde sich bei einer primären Hyperhidrosis nachts das Schwitzen reduzieren, nicht verstärken. Meistens lösen innerliche Krankheiten den sogenannten Nachtschweiß aus.