Gesund leben – wenig schwitzen

Sascha Ballweg

Nicht nur in der Ernährung gibt es viele Zutaten, die das übermäßige Schwitzen regelrecht "anfeuern". Was wir täglich essen, trinken oder sonstwie konsumieren spielt eine wichtige Rolle bei der Schweißbildung. Deshalb ist es grundsätzlich ratsam, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und entsprechend "risikoreiche" Dinge nur in Maßen zu konsumieren. Lesen Sie hierzu auch unseren ausführlichen Beitrag → Schwitzen durch falsche Ernährung.

Das Schwitzen negativ beinflussen können z.B.:

  • scharfe Gewürze
  • scharfe Speisen
  • Nikotin
  • Kaffee
  • Alkohol
  • Betäubungsmittel
  • Arzneimittel
  • ephedrinhaltige Präparate

Capsaicin: Schwitzen nach scharfen Speisen

Scharfe Zutaten wie Chilischoten enthalten den Wirkstoff Capsaicin (CPS), ein Alkaloid, das die selben Nerven stimuliert (reizt) wie Hitze. Deshalb wird es auf der Zunge und der Haut als scharf brennend empfunden. Was dem Menschen geschmacklich als scharf erscheint, ist im Grunde nichts anderes als eine "vorgetäuschte" Verbrennung auf der Zunge. Die hitzeempfindlichen Nerven melden den vermeindliche Hitzeschock an das Gehirn, welches sofort Gegenmaßnahmen ergreift: Die Haut wird zur Abkühlung stark durchblutet, die Pulsfrequenz erhöht und die ekkrinen Schweißdrüsen sondern besonders viel Schweiß ab.

Acetylcholine: Wehe, wenn sind losgelassen ...

Hinter dem schwierig auszusprechenden Namen Acetylcholin verbirgt sich ein Botenstoff, mit dem das sympathische Nervensystem die Schweißdrüsen aktiviert und zum vermehrten Schwitzen anregt. Stimulierende Substanzen wie Nikotin besetzen die selben Nervenenden (Rezeptoren) wie das Acetylcholin und blockieren damit die Befehle des Sympatikus, da dessen Transmitter nicht mehr andocken können. Dieser Blockade begegnet das vegetative Nervensystem nach Abbau des Nikotins mit einer nachträglichen Aussendung von Acetylcholinen. Dadurch kann es in der "Entzugsphase" zu stärkerem Schwitzen kommen, wenn die Schweißdrüsen regelrecht mit dem Botenstoff überschüttet werden.

Eigentlich müsste Nikotinkonsum das Schwitzen durch die Acetylcholin-Hemmung spontan vermindern. Doch man schwitzt schon während des Rauchens. Der Grund dafür: Nikotin ist sehr anregend und steigert u.a. die Durchblutung der Haut. Dies nimmt der Körper als scheinbare Temperaturerhöhung wahr, woraufhin er das Schwitzen zur Thermoregulation einsetzt.

Koffein und Alkohol: Erst hui, dann pfui

Koffein (auch Coffein, Tein oder Thein) und Alkohol haben, grob gesehen, ähnliche Eigenschaften wie Nikotin. Sie wirken sehr anregend und steigern eine Vielzahl von Körperfunktionen. Gleichzeitig hemmen sie ebenfalls die Anlagerung von Acetylcholin. Alkohol behindert zusätzlich die Übermittlung weiterer Nervenreize, wodurch die bekannten direkten Folgen des Alkoholkonsums (z.B. Schwindelgefühl, Angstminderung, Zungenträgheit, Sehstörungen etc.) entstehen. Tatsächlich reduziert sich nach dem Konsum von Kaffee (von der Hitze des Getränkes abgesehen) und Alkohol zunächst auch das Schwitzen. Nach dem Abbau der Substanzen folgt jedoch ein ähnlicher Effekt wie beim Nikotin: Schweißausbrüche.

Ephedrin – die versteckte "Droge"

Ephedrin ist ein Phenylethylamin-Alkaloid, das in Pflanzen der Gattung Ephedra (auch "Mormonentee" oder "Ma-Huang"). In konzentrierter und aufbereiteter Form bzw. als synthetisch gewonnene Substanz wurde und wird Ephedrin unter anderem erfolgreich gegen die Symptome asthmatischer Anfälle sowie gegen starken Schnupfen eingesetzt, gilt aber aufgrund der stark anregenden, leicht berauschenden Wirkung – es wirkt schwächer, jedoch langanhaltener als Adrenalin – als bedenklich. Im Jahre 2001 wurden Arzneimittel sowie frei verkäufliche Präparate mit höherem Ephedringehalt verboten, auch weil das Alkaloid zur Herstellung stärkerer Rauschmittel ("Meth") verwendet werden kann. In schwächerer Dosis ist es jedoch noch immer in Erkältungspräparaten, Schnupfen-Gels oder -Sprays, als auch in Appetithemmern enthalten. Durch die Eigenschaft des Ephedrins, die Ausschüttung von Noradrenalin und Adrenalin zu stimulieren, kann bei regelmäßiger Benutzung solcher Präparate auch die ekkrine Schweißdrüsentätigkeit, und damit das Schwitzen merklich gesteigert werden.