Falsch: Schwitzen ist typisch männlich

Sascha Ballweg

Viele Frauen empfinden starkes Schwitzen als typisch männliches Problem. Sind sie selbst von einer gesteigerten Transpirantion oder gar einer Hyperhidrose betroffen, so empfinden sie dies als eine sehr "unfrauliche" Belastung, die es um jeden Preis zu verbergen gilt, besonders in Gesellschaft mit dem gleichen Geschlecht.

"Ich habe mich immer weniger als Frau empfunden," beschreibt Sophia Wastler ihr Dilemma in einem Interview mit dem LifeScience Magazine. Die 36-jährige Kindergärtnerin aus Virgina Beach, USA leidet seit ihrer Kindheit an palmarer Hyperhidrose, die über 31 Jahre lang nicht behandelt wurde. "Wenn ich unter Frauen war, habe ich ich alles getan, um mein Schwitzen zu verbergen." so Sophia Wastler "Das ist doch ein typisches Männerproblem, weniger eins der Frauen, mir war das so dermaßen peinlich!" [1]

Versteckte medizinische Probleme

In nicht wenigen Fällen werden die Schweißprobleme nicht nur vor Verwandten, Freunden und Fremden versteckt. Manchen Frauen ist das Schwitzen so peinlich, dass sie es sogar ihren Liebsten verheimlichen. Und selbst beim Arztbesuch wird das belastende Problem nicht angesprochen. "Ich habe mich nie getraut, meinen Arzt um Hilfe zu bitten. Selbst ihm gegenüber war es mir als Frau peinlich über das Schwitzen zu reden." berichtet eine andere Betroffene, die gerne anonym bleiben möchte.

Sophia Wastler hat dagegen vor 5 Jahren den entscheidenen Schritt getan. Fast beiläufig fragte sie ihren Hausarzt bei einem Routinetermin, was mit ihren Händen los sei. "Oh, sie haben Hyperhidrose." stellte der Arzt fest, ohne mit der Wimper zu zucken. Er überwies sie an einen Dermatologen. Im Grunde genommen war das nur ein kleiner Schritt, den Sophia Whastler bis heute nicht bereut hat! Dank einer systhematisch aufbauenden Therapie sind ihre Hände heute trocken. "Ich sage den Leute, mit 31 Jahren hat mein Leben erst richtig begonnen! Nicht mit 16, 18 oder 20. In dieser Zeit ging alles an mir vorüber, weil ich mich mit meinen Schweißhänden verkrochen habe."

Schwitzen ist weder männlich noch weiblich!

Untersuchungen haben gezeigt, dass Schwitzen kein typisch männliches Problem ist. Zwar schwitzen Männer aufgrund ihres Testosteron-basierten Hormonhaushalts etwas schneller und stärker als Frauen, bei starkem Schwitzen und Hyperhidrose verteilen sich die Zahlen der Betroffenen jedoch gleichmäßig auf beide Geschlechter. Es besteht für Frauen also kein Anlass, das eigene Schweißproblem als "unfraulich" anzusehen. Eine Studie von Hautärzten in den USA hat gezeigt, dass die Mehrzahl der Frauen sogar vorbildlich mit ihrem Schweißproblem umgeht: 66 % der hilfesuchenden Hyperhidrose-Patienten waren Frauen.

 

 

[1] LiveScience 06/03.2011; Stephanie Pappas
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