Effektive Hygiene

Sascha Ballweg

Eine regelmäßige und akkurate Körperpflege ist für die Prävention von Körpergeruch unerlässlich. Mit der richtigen Hygiene ist es möglich, die Hautflora so auszubalancieren, dass Gerüche nur mäßig entstehen. Einer echten Bromhidrosis ist mit "einfacher" Wäsche jedoch nicht so einfach beizukommen, egal wie oft oder akribisch diese auch erfolgen mag. Insofern ist der gutgemeinte Ratschlag "Wasch dich doch mal!" für Bromhidrotiker wenig hilfreich.

Richtige Körperhygiene

Die ortsständige Keimflora der Haut kann durch äußere Faktoren (z.B. falsche Kleidung, starkes Schwitzen etc.) negativ beeinflusst werden. Es nehmen dann die Bakterien überhand, welche durch ihre Zersetzung des ekkrinen Schweißes für den Körpergeruch verantwortlich sind. Bei vielen Menschen genügen schon Wasser und Seife, um diesen Geruch zu beseitigen und vorzubeugen. Werden antispetische Seifen oder Waschschäume verwendet, so haben es die Mikroorganismen das Leben besonders schwer. Auf scharfe Desinfektionmittel (z.B. Triclosan) sollte man der Haut zu liebe besser verzichten, da sie diese stark reizen. Außerdem werden durch ein Breitbandantseptikum sämtliche Hautkeime abgetötet, auch jene, die für die Hautflora wichtig sind.

Körperbehaarung und Schweißgeruch:

Mit dem richtigen Hygieneprodukt können unangenehme Körpergerüche erstaunlich gut verhindert werden, deshalb sollte eine richtige Wäsche immer Grundstock einer Bromhidrosetherapie sein. Aber auch das Entfernen der Achselbehaarung kann helfen, da diese den Bakterien ideale Lebensbedingungen bieten. Die Gesamtoberfläche, an der sich Schweiß und Bakterien ausbreiten können, wird mit der Rasur erheblich reduziert. Außerdem wird dadurch die Belüftung der Haut gefördert, damit der Schweiß besser verdunsten kann. Gegen die Schweißbildung selbst hilft das Rasieren der Haare allerdings nicht! Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Rasur dennoch Sinn macht. Die überwiegende Anzahl von rasierten Testanten blieb fast 10x so lange geruchsfrei als unrasierte. Es gibt jedoch eine Ausnahme zu erwähnen: In der Kosmetikbranche wird oft eine Achselhaarentfernung mittels Laser propagiert. Eine englische Studie hat jedoch gezeigt, dass die Tätigkeit der Schweißdrüsen durch den Laser dauerhaft angeregt wird. Dadurch wird der "Rasureffekt" leider zunichte gemacht.

Maßnahmen für eine gute Hygiene-Basis:

  • regelmäßig mit antiseptischen Seifen waschen
  • spezielle Bromhidrose-Waschschäume benutzen
  • abends Antitranspirant anwenden
  • Achselbehaarung rasieren
  • Intim- und Körperbehaarung rasieren oder kürzen
  • Hautpflege

Falsche Körperhygiene

Zu häufiges Waschen und der maßlose Einsatz von Hygiene-/Kosmetikartikeln ist kontraproduktiv. Durch ständiges Waschen und Einseifen wird die Hornschicht der Haut (Stratum corneum) ihrer Fettschicht (Schutzfilm) beraubt. Den fehlenden lipiden Schutzmantel versucht der Körper durch eine erhöhte Talgproduktion der holokrinen Drüsen auszugleichen. Die dadurch entstehende "fettige Haut" (Seborrhoea) ist idealer Lebensraum für Bakterien. In Folge entsteht intensiver Geruch noch schneller und intensiver.

Das Märchen vom pH-Schutzmantel der Haut

Häufiges Waschen zerstört den fettigen Plege- und Schutzmantel der Haut, daran besteht kein Zweifel. Viele Menschen glauben allerdings (noch immer), die Haut wäre durch einen gewissen  "Säuremantel" geschützt, welcher durch die Benutzung bestimmter Seifen etc. zerstört würde. Das Konzept des Säureschutzmantels stammt von 1928 [1] und wurde vor allem von der Kosmetikindustrie aufgegriffen und vermarktet. Synthetische Detergentien in Seifen oder Duschgels sollen angeblich den Säureschutzmantel besser "schützen" (bzw. wieder herstellen) als alkalische Seifen. Viele Bestandteile des Hautschutzmantels wie Milchsäure, Harnsäure oder die Fettsäuren werden wegen ihrer guten Wasserlöslichkeit allerdings auch ohne Zuhilfenahme von Seifen mit dem Wasser abgewaschen. Es verbreitete sich schnell die Meinung, dass bei zu intensiver und häufiger Säuberung der Haut mit Reinigungsmitteln (wie z.B. Kernseife) der vermeindliche pH-Schutzmantel der Haut zerstört werden kann. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegten allerdings diese weit verbreitete Meinung [2]. Eine länger anhaltende Beeinflussung des pH-Wertes der Hautoberfläche konnte in Versuchen auch bei längerer Anwendung von Seife nicht erreicht werden. Die Auflösung der fettigen Schutzschicht ist hingegen unbestritten.

 

Zwanghafte Körperhygiene

Verständlicherweise versuchen Bromhidrotiker ihr Geruchsproblem durch exzessive Körperpflege zu lösen. Die übertriebene Hygiene aus Angst vor dem "Stinken" kann sich soweit steigern, dass sie zu einer zwanghaften Handlung (Waschzwang) wird. Obwohl die Betroffenen bald erkennen, wie wirkungslos und unsinnig ihre Zwangshandlungen sind, führen sie sie dennoch aus, da ein Unterlassen enorme Ängste hervorruft. Die Zwangsstörung geht also einher mit einer wechselseitigen Angststörung, einer besonderen Form von Osmophobie, Autodysomophobie oder Automatonophobie. So heißen die "Ängste vor Gerüchen" in der psychologischen Fachsprache. Die permanente Angst, das Umfeld mit dem eigenen Körpergeruch zu belästigen, davor, vor allen Menschen bloßgestellt zu werden, empfindet der Betroffene als extrem belastend. Oft entsteht dadurch eine Sozialphobie, welche bald zur gesellschaftlichen Isolation führt.

[1] Schade H, Marchionini A. (1928) "Der Säuremantel der Haut" Klinische Wochenschrift 7: 12–14
[2] Pösl H, Schirren CG (1986) "Beeinflussung des ph-Wertes der Hautoberfläche durch Seifen, Waschmittel und synthetische Detergentien" Hautarzt 17: 37–40