Geruch der Haare & der Kopfhaut

Sascha Ballweg

In vielen Beauty-Foren des Internets wird das Thema "Haargeruch" lebhaft diskutiert. Besonders Frauen berichten häufig davon, ihre Haare würden zu schnell den Shampoogeruch verlieren und bald darauf anfangen zu riechen. Oft wird der unangenehme Geruch als muffig, talgig, fettig oder nach Schafsbock riechend beschrieben.

Selbstverständlich nehmen Haare, besonders lange, gerne Umgebungsgerüche wie beispielsweise von Zigarettenqualm oder Frittierfett auf. Dies ist jedoch kein echter "Haargeruch". Der Geruch der Haare ist in Wirklichkeit "Kopfgeruch", der auf der Kopfhaut entsteht. Allerdings wird er durch Kämmen, Bürsten oder das Tragen einer Kopfbedeckung auch in den Haaren verteilt, welche den Geruch dann großzügig in der Umgebungsluft verteilen. Grund dafür ist die immense Gesamtoberfläche der Kopfbehaarung, die praktisch wie ein "Zerstäuber" wirkt.

Entstehung von Kopfgeruch

Kopfgeruch entsteht durch bakterielle Zersetzung von Schweiß und Talg auf der Kopfhaut. Wie alle behaarten Hautbereiche des Körpers, ist auch die Kopfhaut dicht mit ekkrinen und apokrinen Schweißdrüsen besetzt. Da die apokrinen Drüsen Anhänge der Haarfollikel sind, d.h. an jede einzelne Haarwurzel ist eine dieser Drüsen gekoppelt, finden sich im Bereich der Kopfbehaarung extrem viele dieser Drüsen. Während die ekkrinen Schweißdrüsen den üblichen Schweiß absondern, geben die apokrinen eine fettig-trübe, talgartige Substanz an die Haarwurzeln ab, von wo aus sie über die Haarschafte an die Hautoberfläche gelangen. Sowohl der ekkrine Schweiß als auch das apokrine Sekret werden von den Keimen auf der Kopfhaut (ortsständige Bakterienflora) zersetzt. Wird die Verdunstung des Schweißes durch extrem dichtes, fettiges, zusammengebundenes oder bedecktes Haar behindert, so vermehren sich die Bakterien ungehemmt. In Folge entsteht aus den zersetzten Schweißbestandteilen besonders unangenehmer Kopfgeruch.

Kopfgeruch trotz Haarwäsche?

Die menschliche Kopfhaut wird in besonderem Maße von einer fettigen Hornschicht (Stratum corneum) geschützt. Talgdrüsen (holokrine Drüsen) an den Haarwurzeln versorgen die empfindliche Haut permanent mit Glyceriden und fettähnlichen Stoffen. Diese machen die Kopfhaut geschmeidig und breiten sich dank ihrer Fähigkeit zur gleichmäßigen Verteilung gut auf ihr aus. Der ekkrine Schweiß fördert die Ausbreitung noch zusätzlich, da er sich ebenso wie die apokrinen Sekrete mit dem Talg vermischt und ihn verdünnt. Diese Mischung ist ein perfekter Nährboden für Bakterien und im Endeffekt für den Kopfgeruch verantwortlich.

Da Talg aus fast 100 % Fett besteht ist er nicht wasserlöslich. Aus diesem Grund kann sich der Haargeruch trotz regelmäßiger Haarwäsche hartnäckig halten. Bekannt ist auch, dass sich der Kopfgeruch mittels der fettigen Talge auf Hüte, Mützen oder Kopfkissen, und ebenso wieder zurück, übertragen kann.

Wichtig: Eine übertriebene Haarpflege kann den Geruch (bzw. dessen Wiederkehr) noch verstärken, wenn durch die häufige Wäsche der natürliche Schutzmantel der Haut zerstört wird, und der Körper als Reaktion die Talgproduktion drastisch steigert!

Verstärkende Faktoren

Die Stärke des Kopf- oder Haargeruchs hängt entscheidend von der Schweißdrüsentätigkeit ab. Neben physischen oder rein physikalischen Ursachen (z.B. Thermoregulation, mangelnde Hygiene bei hohen Temperaturen), beeinflussen besonders psychische Faktoren die Geruchsbildung. Nicht nur das ekkrine Schwitzen wird unter psychischer Belastung gesteigert. Das sympathische Nervensystem steuert auch die Funktion der apokrinen Drüsen. Negative Faktoren wie Stress, Angst, Scham oder Depression können Kopfgeruch deutlich verstärken.

Was Sie gegen Kopfgeruch tun können ...

Um Haargeruch zu verhindern, sollten Sie die folgenden Grundregeln zur Haarpflege beachten:

  • sorgfältige und regelmäßige Haarpflege
  • übertriebene und häufige Haarwäsche vermeiden
  • Gebrauch von Haarspray und Gels einschränken
  • dem Haartyp angepasste Shampoos verwenden
  • Haare mehrmals täglich kämmen, bürsten, öffnen und ausschütteln zwecks Luftzirkulation
  • auf Hutbedeckungen aller Art verzichten
  • bei schwitziger Kopfhaut: sanfte Antitranspirante benutzen
  • Kopfhaut durch einen Dermatologen begutachten lassen

Bitte lesen Sie auch unseren Artikel über Schwitzen auf der Kopfhaut.