Studie zur Wirksamkeit von Antitranspiranten

Sascha Ballweg

Das individuelle Schwitzen eines Menschen hängt von einer schier unendlichen Anzahl von Faktoren ab, die nicht nur in wechselseitiger Beziehung stehen, sondern sich auch jederzeit verändern können (→ Ursachen des Schwitzens). Aus diesem Grund ist es nicht möglich Pauschalaussagen über die Wirksamkeit eines Antitranspirantproduktes zu treffen!

Eine Angabe zum Wirkungsgrad ist aus Konsumentensicht besonders dann nicht ernstzunehmen, wenn der Konsument selbst an krankhaftem Schwitzen, der sogenannten Hyperhidrose, leidet. In Hinblick auf die Deutsche Medikamentenverordnung sind solche Angaben ohnehin nicht zulässig, da topikale Antiperspirante keine Medikamente mit Heilwirkung sind. Sie zählen zur "funktionellen Kosmetik" (engl. functional cosmetics), die rezeptfrei verkauft werden darf (engl. sowie in der pharmazeutischen Fachsprache bezeichnet man diese Gattung auch als "OTC"-Produkte (Over The Counter)). Im Zusammenhang mit der Hyperhidrose sind Wirk- oder Heilversprechen deshalb tabu, auch wenn dies einige Hersteller leider recht unverblümt ignorieren.

Kundenmeinungen kritisch lesen

Wer sich für ein bestimmtes Antitranspirant interessiert sollte vorher immer einen Blick auf Kundenmeinungen bzw. Kundenbewertungen werfen! Diese können durchaus eine realistische Einschätzung von Wirkung und Verträglichkeit ermöglichen.

Vorsicht bei Bewertungen, die zu 100 % positiv sind oder Meinungen, bei denen sich die Menschen vor Begeisterung regelrecht überschlagen ("Dieses Mittel hat mein Leben gerettet!"). Skeptisch sollte man auch werden, wenn der Produktname im Bewertungstext x-mal erwähnt wird, dies macht kein "echter" Kunde. Erzählungen, bei denen Betroffene mit Hyperhidrose angeblich "alles probiert" haben, doch nur das explizite Produkt "spontane Heilung" brachte ("Ich habe alles probiert, aber dank [...] bin ich staubtrocken unter den Achseln!") gehören leider ins Reich der Märchen, auch wenn sie noch so hoffnungsvoll klingen. Unsere Empfehlung: Achten Sie besonders auf Bewertungen, die auch kritische Äußerungen enthalten. Das Vorhandensein dieser ist ein guter Hinweis darauf, dass die Kundenmeinungen authentisch sind. Lesen Sie bitte zusätzlich unseren kritischen Beitrag zu Kundenmeinungen.

Wirksamkeit klinisch getestet?

Ob Faltencreme, Schuppenshampoo, Zahncreme oder Deodorant: oft werben die Hersteller damit, die Wirkung eines Kosmetikprodukts sei "klinisch getestet". Doch fragt sich der aufgeklärte Verbraucher, wo und wie dies geschieht. In welcher Klinik wurde das Produkt geprüft und unter welchen Bedingungen? Glaubt man den Werbebotschaften, so betreibt mancher Kosmetikkonzern eine eigene "Clinique" (franz.), in der für das Wohl der Verbraucher getestet und geprüft wird, natürlich unter Aufsicht von Frauen/Männern mit Brille und weißem Kittel. Beliebt sind auch Begriffe wie "Laboratories" (franz.) oder "Institut", um dem Thema einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben. Versucht man nähere Informationen zu den "klinischen Tests" zu bekommen, sind die Aussagen leider vage. Darüberhinaus sollte man bedenken, dass diese Versuche zumeist im eigenen Haus, unter der Aufsicht eigener "Experten" erfolgt. Nicht unbedingt ein Indiz für neutrale Produktbeurteilungen.

Unsere Empfehlung: Seriöse und verbraucherschutzfreundliche Unternehmen lassen Wirksamkeitstest oder -studien nur von externen Fachleuten prüfen. Diesbezüglich sollte man auch wissen, dass Hautkosmetika (dazu zählen u.a. Antitranspirante) in der Regel durch einen Epikutantest auf ihre Hautverträglichkeit (Allergietest) geprüft werden. Neben der Wirksamkeit sollte das Allergiepotential eines Produktes immer berücksichtigt werden.

Wissenschaftliche Studie zur Wirksamkeit

Eine der wenigen wissenschaftlichen Studien zur Wirkungsweise von Antitranspirante wurde an der Hautklinik der Städtischen Kliniken Dortmund durchgeführt [1]. Diese Studie ist weltweit anerkannt und gilt als erster Nachweis der Wirksamkeit von Aluminiumchlorid-Präparaten.

Bis dato lag das Problem einer solchen Studie immer in der objektiv-exakten Bestimmung der austretenden Schweißmenge, um die Reduzierung durch Antitranspirante nachweisen zu können. Professor Dr. Hagen Tronnier entwickelte ein Verfahren, welches auch minimalste Änderungen der Schweißmengen unter gleichbleibenden Bedingungen messbar machte. Damit war die Transpirationshemmung erstmals bestimmbar. Während der anschließend durchgeführten Untersuchungen wurden verschiedene Aluminiumverbindungen auf der Haut von Testanten getestet, die an die komplizierten Messaparaturen angeschlossen waren. Anschließend wurde untersucht, welche äußeren Einflüsse die Wirkung inwiefern beeinträchtigen. Es würde zu weit führen, die sehr umfangreichen Studienergebnisse hier einzeln aufzuführen. Deshalb fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse nur kurz zusammen.

Ergebnisse der Tronnier-Studie:

➀ Antitranspirante reduzieren nachweislich das Schwitzen

➁ Die Transpirationshemmung betrug ø 64 %

➂ Die Anzahl der aktiven ekkrinen Schweißdrüsen nahm um ø 70 % ab

➃ Bei starkem Schwitzen wirken Antitranspirante besser

➄ Waschen nach der Anwendung reduziert die Wirkung deutlich und

➅ anschließendes Abrubbeln mit einem Handtuch hebt die Wirkung nahezu auf

➆ Antitranspirante wirken am besten auf absolut trockener Haut

➇ Antitranspirante wirken am besten auf entfetteter Haut

 

 

Achtung: Bitte lesen!

In Internetbeiträgen wird leider oft behauptet, die Wirkung von Antitranspirantien würde durch Tierversuche geprüft und ermittelt. Dies ist falsch!

Es werden keine derartigen Versuche an Tieren durchgeführt. Ein solcher Test wäre allein schon deshalb völlig sinnlos, da Tiere über keine ekkrinen Schweißdrüsen verfügen, an denen ein Antitranspirant ja bekanntlich seine Wirkung entfaltet. Überhaupt schwitzen nur die wenigsten Säugetiere und dazu noch nach einem ganz anderen Schema als Menschen. Aus diesem Grund kann die Wirksamkeit nicht an Tieren getestet werden.



[1] Tronnier H et al "Experimentelle Untersuchungen zur Wirkungsweise aluminiumhaltiger Antiperspiranzien"
Vortrag anl. VII. IFSCC-Kongress, Hamburg 09/11-15 1972; publ. J. Soc. Cosmetic Chemists 24, 281-290 (1973)