Antitranspirant-Rezepte

Sascha Ballweg

Nun, folgende Tatsache ist längst kein Geheimnis mehr: Die Effektivität eines Antitranspirants hängt maßgeblich von der Wirkstoffkonzentration ab. Je höher der Gehalt an Aluminiumsalz (aluminium chloride) desto höher die schweißhemmende Wirkung, so kann man es pauschal ausgedrückt sagen. Weiterhin geheimnisvoll geben sich jedoch eine Vielzahl von exotisch klingenden Inhaltsstoffen, die sich in den (meist industriellen) Antiperspirant-Rezepten in Hülle und Fülle finden. Auch wenn sämtliche dieser Stoffe gemäß der international geltenden Verpflichtung für Kosmetikhersteller (INCI) auf der Verpackung gelistet werden müssen, so nützt es dem Otto Normalverbraucher leider wenig, denn wer weiß schon, was Aluminiumundecylenoylkollagenaminosäure bedeutet, wofür dieser Stoff da ist und ob er wohlmöglich irgendwelche Risiken mit sich bringt.

 

Anhand der folgenden drei Rezepte gegen Schwitzen ist zu erkennen, wodurch sich relevante Produkte grundsätzlich unterscheiden. Wichtig ist vorallem, zumindestens im Groben über die Bedeutung einiger typischer Grundstoffe bescheid zu wissen. Dadurch ist es auch einem Laien möglich, wenigstens intuitiv zu erkennen, ob ein Produkt generell für die eigene Haut geeignet ist oder nicht.

 

3 Beispiele für typische Rezepturen:

Deodorant


 

 

  • diverse Parfümstoffe (Hauptbestandteil)
  • ätherische Öle (s.o.)
  • ca. 1 bis 5 % Aluminiumsalz (aluminium chloride)
  • Konservierungsstoffe (z.B. Parabene)
  • Emulgatoren
  • Farbstoffe
  • Hautpflegemittel
  • Alcohol (alcohol denat.)
  • Butan (Treibmittel)

Kommentar und Beurteilung

Deodorants dieser Art enthalten zu wenig Aluminiumsalz um effektiv gegen starkes Schwitzen wirken zu können. Parfümstoffe erzielen hier die hauptsächliche, deodorierende Wirkung. Auffällig ist der Gebrauch von Konservierungsstoffen, um lange Haltbarkeiten zu erzielen (für Lagerung, Auslage im Supermarkt etc). Hautpflegemittel und Emulgatoren machen das Produkt hautverträglich, sind aber in Hinblick auf die Parabendiskussion auch kritisch zu sehen. Butan ist ein umweltfreundliches Treibgas, welches jedoch in neuester Zeit vermehrt als Droge missbraucht wird (Deo-Schnüffeln).

Antitranspirant der 2. Generation


 

 

  • ca. 5 bis 15 % Aluminiumsalz (aluminum chloride)
  • Wasser (aqua)
  • Zitronensäure (citric acid)
  • Weinsäure (tartaric acid)
  • Salzsäure (hydrochloric acid)
  • Glyzerin (Bindemittel)
  • Calciumsalz (calcium chloride)
  • Natriumsalz (sodium chloride)
  • Konservierungsstoffe
  • Emulgatoren

Kommentar und Beurteilung

Dies ist in der Tat die vollständige Zusammensetzung eines der bekanntesten Antitranspirante auf dem Weltmarkt. Durch den relativ hohen AlCl-Gehalt handelt es sich ohne Frage um ein wirksames Mittel gegen Schwitzen. Die weiteren Bestandteile der Rezeptur sind jedoch mit Vorsicht zu genießen: Gleich drei verschiedene Säuren sind enthalten, was bei Anwendern mit sensibler Haut zu gereizter Haut führen könnte. Was genau die zwei zusätzlichen Salze (Calcium und Natrium) bewirken sollen, bleibt unklar.

Antitranspirant der 3. Generation


 

 

  • ca. 15 bis 30 % Aluminiumsalz (aluminium hexahydrate)
  • Wasser (aqua)
  • Pflanzenextrakt Bartflechte (usnea barbata extract)
  • Pflanzenextrakt Nelkenblüte (eugenia caryophyllus extract)
  • Pflanzenextrakt Salbei (salvia officinalis extract)
  • Emulgatoren
  • Alkohol (alcohol denat.)

Kommentar und Beurteilung

Mit weit mehr als 15 % AlCl-Gehalt sind Antitranspirante der 3. Generation hochwirksame Produkte gegen starkes Schwitzen. Durch die hohe Konzentration, im englischsprachigen Raum spricht man von prescription strength [1], können sogar die Symptome einer Hyperhidrosis gelindert werden. Positiv auffallend ist, dass die Rezeptur insgesamt nur aus 7 Komponenten besteht, dies ist in heutiger Zeit eine erfreuliche Ausnahme. Zudem sind 4 der 7 Bestandteile rein natürlich (Pflanzenextrakte und Wasser). Bartflechte, Nelkenblüte und Salbei sind bekannte Wirkstoffe aus der Naturheilkunde. In Antitranspiranten dienen sie der Hautpflege, sie reduzieren die sonst typischen Hautreizungen.

 

[1] Auch im englischsprachigen Raum sind Antitranspirante rezeptfrei erhältlich, man spricht von OTC antiperspirants (OTC = Over-The-Counter, dt. "über den Ladentisch"). Sind diese Produkte so stark dosiert "als wären es rezeptpflichtige Medikamente", so spricht man von prescription strength antiperspirants (prescription = dt. Rezept).
Hinweis: Die kursiven Bezeichnungen in Klammern geben den genauen Namen des Inhaltsstoffes gemäß der INCI-Liste wieder.

 

Weiterführende Informationen und Themen: